Auf Schiffsverladeplätzen, in den Güterwaggons und in Magazinen wird der „Kaffeeläufer“ häufig verwendet: Ein einfaches Eisenrohr, das gut zugespitzt ist. Der Dieb stößt es scharf in einen mit Ware gefüllten Sack und der Reis, die Kaffeebohnen, das Mehl fließen aus diesem durch das Rohr in den Schnappsack des Diebes, ohne daß die Plombe des bestohlenen Sackes beschädigt würde.

Zu unauffälligem Fortschaffen der Diebsbeute ist der breite Schmugglergürtel sehr zu empfehlen, in dessen Taschen die Beute gleichmäßig verteilt werden kann, und an dessen Haken kompaktere Gegenstände befestigt werden können. Natürlich arbeiten auch diese Diebe, so wie ihre Kollegen vom Einbruchsfach, mit Glacéhandschuhen, die zur Vermeidung von Fingerspuren dienen, mit Strickleitern u. dgl.

Bomben und andere Explosivkörper mannigfaltiger Art füllen in diesem Museumsraum zwei ganze Vitrinen. Ein respektables Exemplar ist die Bombe, die in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts im Flur der ehemaligen St. Wenzelsvorschußkasse in der Karlsgasse gefunden wurde und die damals fast so viel Aufsehen erregte, wie ein Jahrzehnt später die Enthüllungen über die Geschäftsgebarung in diesem Hause. Die Bombe bestand aus einer mit Pulver gefüllten Kugelflasche, die mit einem Gipsmantel umkleidet war. In dieser Gipshülle waren Eisennägel als Sprengstoffe eingeschmolzen, die ganze Bombe war mit Eisendraht und Fetzen umspannt.

Ferner befindet sich hier eine Höllenmaschine mit einem Wecker. Die Höllenmaschine war mit Pulver und Halbblei gefüllt. Von furchtbarer Wirkung wäre im Falle der Explosion ein oben und unten verkeiltes Gasrohr gewesen, das mit Pulver gefüllt war, und oben ein Zündloch und die Zündpfanne trug.

Eine Reminiszenz aus Prager Demonstrationstagen bildet der sogenannte „Kanonenschuß“, ein Ledersäckchen, das mit Pulver gefüllt und mit geleimtem Spagat zusammengebunden ist. Diese Apparate pflegen mit einem geradezu ungeheuren Krach zu explodieren, ohne aber besonders gefährlich zu sein. Zur Belehrung der Sicherheitswache sind hier Dynamitpatronen und Dynamitballen in Originalpackung ausgestellt. Auch gestohlene Militärsprengstoffe, Bomben in Tafelform, und „Frösche“, wie man sie in Prager bewegten Tagen den Pferden der berittenen Wachmannschaft unter die Füße zu werfen pflegt, fehlen in der Sammlung nicht.

Das Turmgemach im zweiten Stockwerke strotzt von Waffen. Am unauffälligsten nehmen sich unter diesen wohl die Schießwaffen aus, die zum Wilddiebstahl gedient haben. Wirklich kann mit diesen Gewehren jeder Wilderer ruhig das forschende Auge des Hegers passieren. Da ist z. B. ein Spazierstock einfachster Form, dem man gar nicht ansieht, daß er sich flugs in ein Zündnadelgewehr verwandeln läßt, dem nicht einmal der Kolben fehlt. Leimruten, Schlageisen für Rehe, Drahtschlingen für Rotwild, Strickschlingen für Hasen, Leimruten für Singvögel, Fangnetze für Rebhühner, die man teils in Jagdrevieren abgenommen, teils bei Wilddieben vorgefunden hat, befinden sich gleichfalls im Polizeimuseum.

Verbotene Waffen, wie Dolche, Stilets und Stockdegen füllen eine große Vitrine. Die übrigen Waffen, die hier zu sehen sind, stammen teils von Selbstmorden her, teils sind sie Reminiszenzen aus den Mordaffären der letzten Jahre. Von dem simpelsten Mordinstrument bis zum modernsten fehlt keines. Hier ist der große Pflasterstein, mit dem am Josefitage des Jahres 1896 Pravda und Outrata die Juwelierin Gollerstepper in deren Laden in der Husgasse ermordet haben. Hier ist das Beil, mit welchem 1895 der Schuster Franz Červenka seiner Frau die Schädeldecke zertrümmert hat. Große Blutflecken auf drei Steinen stammen aus der Nacht des 2. April 1902, in welcher die Trainsoldaten Čučko, Octovsky und Velek auf dem Belvedere den Franzensbader Hotelier Wolf getötet haben, eine plastische Karte veranschaulicht den Tatort. Ein Tuch war das Mordinstrument, mit dem der Musikant Ježek und sein Freund Merta in Točna den Prager Werkelmann Janeček erwürgten. Eine ganze Vitrine weist die Instrumente auf, mit denen das würdige Ehepaar Valeš zu Krtsch das Liebespaar Takasz-Hanzely im Schlafe umgebracht habe: Ein Jagdgewehr, ein Strick, ein Revolver, ein Beil. Ein Revolver, der an der Wand hängt, war das Mordinstrument des wahnsinnigen Stadtbediensteten Wurm, der an dem Stadtrat Parůžek furchtbare Rache für seine Entlassung nahm. Auch der Browning, die modernste der Schießwaffen, mußte in zwei Exemplaren Aufnahme im Prager Polizeimuseum finden: Mit einem Browning hat Wasinski den Gefängniswärter Kaucky am Weihnachtsabend 1907 erschossen, mit einem Browning tötete Boček am Karsamstag 1908 den Detektiv Pětiletý und verletzte die Detektivs Lukeš, Binder und Hladík.

An Bočeks Bluttat erinnert überdies die Totenmaske seines Opfers, eine andere ist von dem im Nusler Tal von unbekannten Einbrechern erschossenen Polizisten Bartoš abgenommen worden. Eine dritte Totenmaske ist die eines Anarchisten, der in Prag wegen Mordes justifiziert worden ist; in dem Gips ist die tiefe Strangulierungsfurche erkennbar. Die älteste Mord-Reminiszenz, die sich im Polizeimuseum befindet, ist ein vergilbter Steckbrief der Prager Stadthauptmannschaft vom 1. Mai 1828. Er ist gegen zwei Fuhrleute aus der Umgebung Prags gerichtet gewesen, die im Vogtlande die Familie eines Landmannes töteten und beraubten. Der älteste Band des „Polizeianzeigers“ — die amtliche Wochenschrift des Prager Sicherheitsdepartements — weist gleichfalls schon vergilbte Blätter auf; die Leute, deren Steckbriefe in diesem Buche gedruckt sind, haben wohl schon längst ihre Strafen gebüßt. „Königl. Preußische Polizeidirekzion in Prag.“ Diese seltsame Inschrift trägt eine Stampiglie, die aus der Prager Preußenzeit des Jahres 1866 stammt.

Verschiedenartig sind die Hilfsmittel der Betrüger. Wohl der genialste Schwindel, dessen Schauplatz Prag war, ist die lukrative Gründung des geheimen Telegraphenamtes durch Plocek und dessen Personal gewesen. Von Ploceks Hand stammen raffinierte Postanweisungsfälschungen. Nicht minder geschickt nachgeahmt sind Diplome, Totalisateur-Tickets und Dokumente, Stampiglien und Marken, Orden und Medaillen. Die ganze Einrichtung einer Münzfälscherwerkstätte und falsches Geld aller Sorten liegt zur Schau. An der Wand hängt ein Phantasiesäbel — der „amerikanische Oberstabsarzt Morocz“ hat ihn 1899 in Prag getragen, bevor er verhaftet, als der langgesuchte Heiratsschwindler Theophil Lawczinski erkannt und an die Schweiz zur Bestrafung ausgeliefert wurde. Plombierte und verschlossene Pakete „russischen Tees“, die Sägespähne enthalten, magnetische Ringe, elektrische Stühle und anderes aus dem Warenlager großindustrieller Quacksalber, die präparierten „Glücks“-Spiele der Bauernfänger, die Schmucksachen der Ringwerfer, die vor zwei Jahren in Prag reißend abgesetzten Kassetten der „Elektrischen Amalisations-Werke in Berlin SW“, welche einen Apparat zur Ersparung elektrischer Kraft enthalten sollten, aber in Wirklichkeit leer waren, und vielerlei ähnliches sieht man.

Das sind die Dinge, die der Museumsturm der Polizeidirektion einschließt. Aus seinen spitzen Fenstern kann man in das anthropometrische Kabinett im Hauptgebäude hinübersehen. Dort liegt man der Tätigkeit ob, die zur Ausmittlung der Verbrecher und zur Verhütung des Verbrechens dient, dort daktyloskopiert man und signalisiert man, dort werden die portraits parlé und die Photographien des Verbrecheralbums eingeordnet. Dort rüstet man, von dort aus kämpft man gegen den Feind, der das Eigentum, die Ordnung und das Leben der Menschen bedroht. Manches, was hier geleistet wird, entbehrt nicht des verblüffenden Erfolges. Aber gegenüber steht hoch, trotzig und fest der Turm, der Rüstzeug und Waffen des Feindes birgt.