Eine Unendlichkeit feinster Reize strömen dir aus diesen, von künstlerischer Hand zusammengefaßten Harmonien von Raum und Licht und Farbenwerten, von bewegten Linien und sanften Kurven, von feinhörig aufeinander abgestimmten Dissonanzen und Assonanzen der schier unglaublichen Fülle der einen ewigjungen Farbe des vielfach grünenden Laubes.

Und jede Jahreszeit hat hier ihr neues Bild.

Farben schlafen ein, die jäh wach vorher im Raume standen.

Andere leuchten auf, die vorerst noch schliefen.

Tausend Töne verlieren sich ins Meer der Ferne.

Neue kommen heran und mischen sich mit den weicheren Schatten des reifenden Sonnenlichtes.

Ernster, tiefer und satter werden die Träume umher und in dir. Fruchtbarkeiten und Erfüllungen folgen dem leichtgeschürzten Tanz der Horen, die den Frühlingsreigen führten.

Und alle Noten, die licht und zart gegen die weiche, seidne Bläue des Frühlingshimmels standen, verstärken ihren Ton und Wert und singen eine neue Paraphrase des ewigen Liedes des Lebens, deren Melodie aus den tieferen Brunnen des Seins geschöpft, dir die reifen und schauenden Träume der Erkenntnis gibt. –

Noch einmal dann jauchzt das Leben auf im Jubel der Vollendung. Das Farbenfanal des Herbstes wirft seine Flammen über die, von ihrer Fruchtbarkeit erlösten Natur. Noch einmal bäumt und schäumt sie auf in vollkommener Lust. Eine andere Lust ist es als die lachende, unbeschwerte des ersten Frühlingstaumels – aber eines neuen seltsamen Rausches voll.

Vom berauschenden Glücke der Erfüllung seiner selbst getragen, von dem nahen Leide der Vergänglichkeit wie von einem heiligen Schmerze umspielt, bäumt und schäumt die ungeheure Fülle des Gewordenen sich noch einmal auf zu seiner letzten feinsten und tiefsten Freiheit und reißt alles, was Stimme, Farbe und Ton hat, noch einmal mit sich fort zu einem sinnverwirrenden Chaos gewaltiger Daseinslust und orgiastischer Freude – wie das letzte lohende Firnenglühen der Sonne, eh sie dem Abend in die Arme sinkt.