[168] Weil der Konvent durch "desertion, absence and arbitrary arrests" sehr reduziert sei; weil sich im Konvent und in der Arbeiterschaft Meinungsdifferenzen über die momentane Durchführbarkeit eines heiligen Monats gezeigt hätten; weil man die Allgemeinheit des Streiks bezweifeln müsse, ein bloß partieller Streik aber als großes Unglück anzusehen sei, deshalb solle das Volk selbst entscheiden (vgl. Gammage, a. a. O. p. 146).

[169] O'Connor verstieg sich jetzt sogar zu der ebenso kühnen wie unzutreffenden Behauptung, er und alle hervorragenden Führer seien von jeher gegen das Projekt überhaupt gewesen (Gonner, a. a. O. p. 641, 642; Gammage, a. a. O. p. 147, 148; Tildsley, a. a. O. p. 47, 48; Bernstein, "Der Streik als polit. Kampfmittel", p. 691).

[170] Für diese wurde die Unterstützung der "united trades" angerufen (Gammage, p. 154ff.).

Die gescheiterte Klassenstreikpropaganda war natürlich nicht dazu angetan, das ohnehin gesunkene Ansehen des Chartismus zu retten; doch die Bewegung begann von Neuem, als im Jahre 1840 zahlreiche Führer aus der Gefangenschaft zurückkehrten.[171] O'Connor's Parteidiktatur hinderte eine ersprießliche Reformarbeit, sowie den Anschluß an die Antikorngesetzliga und die Wahlgesetzreformbewegung der Mittelklassen. Als daher am 2. Mai 1842 auch die zweite Petition vom Parlament verworfen worden war, rückte die Gruppe der "physischen Gewalt" wieder in den Vordergrund des Chartismus, und "amidst the general dejection a few men clung to the idea, which had animated them in 1839".[172] Die Gelegenheit zum Streik bot sich bald. Denn durch unvermittelte Lohnreduktionen, sowie durch Entlassungen chartistischer, liga-feindlicher Arbeiter[173] stieg das Elend in den Industriegegenden, zugleich die Empörung und die Streiklust. Es erscheint gar nicht ausgeschlossen, daß die Antikornzoll-Liga den Streik absichtlich anzettelte,[174] um die daraus entstehende Aufregung für ihre Zwecke auszunützen. Sicherlich aber lag es weder in den Plänen der Liga, noch in denen der anerkannten Chartistenführer[175], die nun ausbrechende Lohnbewegung zu einem heiligen Monat zu erweitern und die wirtschaftlichen Ziele mit chartistischen Forderungen zu verquicken. Und doch war letzteres unvermeidlich; denn, auch abgesehen von der Agitation der "few men", die immer noch an die Wunderkraft eines national holiday glaubten,[176] ist es durchaus begreiflich, daß die "durch die Chartistenagitation aufgewühlten" Arbeiter, "durch die Not zum Äußersten gebracht, von selbst auf die Idee des heiligen Monats zurückfielen".[177]

[171] Vgl. für das Folgende insbes. Brentano, a. a. O.

[172] Spencer Walpole, "A History of England from the conclusion of the great war in 1815" p. 136, 137.

[173] Gammage, a. a. O. p. 217.

[174] Bernstein behauptet dies (vgl. "Der Streik als pol. Kampfmittel"; "Pol. M. Str. u. pol. Lage" p. 20); auch Tildsley, a. a. O. p. 48.

[175] Vgl. Brentano a. a. O.; nach Gammage (a. a. O. p. 214 ff.) lag es nicht in den Plänen der einsichtsvolleren Chartistenminorität.

[176] Spencer Walpole, a. a. O. p. 136, 137.