[192] In der internationalen Sozialdemokratie diente der Ausgang des Plug-plot noch viel später häufig als Argument gegen den Klassenstreik überhaupt (Bernstein, "Pol. M.-Str. u. pol. Lage", p. 20); so bei Liebknecht (vgl. Prot. int. Kongr. Paris 1889, p. 126), da der Mißerfolg trotz der damals schon vorzüglichen engl. Gewerkschaftsorganisation eingetreten sei; wobei Liebknecht freilich übersieht, daß die Trade-Unions sich ja fast vollständig zurückhielten. — Und Greulich meint (in "Wo wollen wir hin?"), wäre der Kl.-Str. "wirklich ein probates Mittel gewesen,... so hätte England lange nicht genug Soldaten gehabt, um über ihn Meister zu werden", übersieht aber ebenfalls, daß der Streik von 1842 ein ganz unvollständiger Kl.-Str. war, der pol. Streik, wie er nicht sein soll, sagt Bernstein ("Der Streik als pol. Kampfmittel"); daher kann sein Mißlingen auch in der Tat noch nichts gegen den Kl.-Str. als solchen beweisen.
[193] Vgl. hierüber Albert Thomas, "Le second Empire" p. 396 ff.
[194] Nach den Berichten von Victor Hugo und Ténot (in seinem "Paris en Décembre 1851"), welch letzterer hierbei den Ausdruck "grève générale" gebraucht (vgl. Thomas a. a. O.).
Aber entsprach diese Idee vielleicht auch dem "état d'hostilité et de découragement tout à la fois, où se trouvait le peuple", so war doch die Situation für eine erfolgreiche Durchführung völlig ungeeignet. Daher schenkten selbst Girardins republikanische Gesinnungsgenossen dem merkwürdigen Projekt keine weitere Beachtung.[195] Vielleicht aber hat man in dem kurze Zeit später publizierten Satze Auguste Comte's, das Proletariat besitze in der Möglichkeit der Arbeitsniederlegung ein äußerstes Mittel "contre les violations graves et prolongées de l'ordre 'sociocratique'",[196] einen Reflex des Girardinschen Gedankens vor sich. Girardin kam übrigens später noch einmal auf die grève universelle zurück, mit deren Hilfe er den Regierungen ein "grand système d'assurances au profit des ouvriers contre la misère et les accidents" abzunötigen gedachte,[197] fand aber auch hiermit keinen Anklang.
[195] Vgl. hierüber Thomas a. a. O.
[196] Auguste Comte, "Système de politique positive" (1852-54), cit. bei Georges Weill, "Histoire du Mouvement social en France (1852-1902)", p. 23.
[197] Vgl. Girardin, "Pouvoir et impuissance, Questions de l'année 1865", 1867 erschienen (cit. bei Weill, p. 34.).
In Deutschland und Frankreich trat man angesichts der kriegerischen Aussichten dem Generalstreik etwas näher, und nicht nur überzeugte Sozialisten,[198] sondern auch weitere Kreise, die der internationalen Arbeiter-Assoziation fernstanden, sollen im "Generalstreik" (Militär-Streik) das einzige Mittel gegen den drohenden Konflikt erblickt haben, so der "sozialistoide Nationalist Henri Rochefort" (in der "Lanterne") und der deutsche Demokrat Dr. F. Goetz.[199]
[198] Z. B. Wilhelm Liebknecht, der die G-streiktendenzen des Brüsseler Kongresses auf dem 5. Vereinstag der deutschen Arbeitervereine zu Nürnberg im September 1868 vertrat (vgl. Michels, "Die deutsche Sozialdemokratie im internat. Verbande" p. 180 ff.); später änderte W. Liebknecht seine Ansichten bezüglich des G.-streiks übrigens total.