LIESCHEN: (ihre Dreistigkeit fühlend, kleinlaut) Molz!

EDUARD: (spricht zärtlich, gütig) Aber daß Du gestern nicht das kleine Christkind besucht hast, Lieschen, darüber bin ich sehr traurig.

LIESCHEN: (erschrocken) Das dürfen Se nich sein; lieber bleib ich mein Lebenlang in de Kirche auf de Stein liegen, dreihundertundfünfundsechzig Tage (besinnt sich) un all die Stunden und die Minuten.

EDUARD: (gerührt) Unsere liebe Mutter hat Dich auch besonders gern, Lieschen.

LIESCHEN: Ich bin doch ens so schäbig angezogen.

(Sieht auf ihr Kleid herunter, Arbeiter grüßen Eduard ehrerbietig.)

EDUARD: Darauf sieht unsere liebe Mutter nicht; sie sagte mir, Du habest ein himmelblaues Herzchen, Lieschen, und sie möchte so gern, daß es nicht fleckig würde.

LIESCHEN: En himmelblaues Herzken ... habn Sie einmal so eins gesehn? (Kinder rufen Lieschen an.)

Erstes Kind: Lieschen!

Zweites Kind: Lieschen! (Sie laufen wieder fort.)