Meiner teuren Mutter in Liebe und Ehrfurcht

„Es dauert höchstens zwanzig Minuten, Peter!“ Er nickte lächelnd — aber er vergaß auch sofort wieder, daß er den Kopf nicht hin- und zurückbiegen durfte, von der Zeitung auf und nieder, und so kam ’s, daß ich entweder das rechte oder das linke Auge nicht an seinem Platz oder die Nase zu lang im Verhältnis zur Stirn zeichnete. Und manchmal nahm er noch seinen Bleistift und beschrieb andächtig den weißen Rand des Zeitungsblattes.

„Du kannst gleich weiterzeichnen, schrecklicher Tyrann du!“ sagte er und las mühsam entziffernd sein eigenes Schreiben.

Es waren einige steinige Einfälle, die er seinem Myrdin und seiner Viviane ferner vermachen wollte. Und er zog die große vergilbte Papierrolle aus seiner Manteltasche und las von den beiden Menschen, die älter waren als Adam und Eva, von seinem Menschenpaar Myrdin und Viviane. Die sprachen eine Sprache, mit der am ersten Schöpfungstage sich Himmel und Erde erzählten — — sie waren mit der Erde zugleich erschaffen — gewachsen mit der Erde — aus der Erde; ja, das fand auch Peter ...

„Da magst du recht haben!“

Und er saß, den Kopf herabgesenkt auf den großen Lehnstuhl nahe dem Ofen in seinem olivenfarbigen Mantel, als ob er die Wärme mit sich nach Hause nehmen wollte.

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Eines Abends klingelte es um halber Mitternacht — das sah Peter ähnlich. Seine Augen lachten mutwillig wie Knabenaugen, die einen Streich hinter sich hatten. „Der Verleger hat mir Vorschuß gegeben — Tino, toller Kerl, komm mit! Wir sitzen alle in der Weinrebe.“

Und Peter sah aus wie ein Bacchus, seine Seele war aufgeblüht wie einer der Weinberge in Alt-Athen. Und wir saßen um ihn im Kreise und sangen: fahrende Schüler, wie die Jünger des Weins aus der bacchantischen Szene seines Werkes „Des Platonikers Sohn“. Wir waren der Most, der Lenz des Weines, das Leben, das wildsüße Auf- und Niederbrausen.

„O Wein, du lieber, dummer Wein,