Es war natürlich nur ein Scherz, womit er sie und sich über die Stimmung hinwegbringen wollte, die etwas rührselig zu werden drohte, und das liebte er nicht. Ilse ging aber wider sein Erwarten ganz ernsthaft auf seinen Vorschlag ein.
„Spotten Sie nur nicht, Onkel Heinz,“ rief sie; „vielleicht tue ich das wirklich noch mal. Ja, ja, sehen Sie mich nur nicht so erstaunt an, Sie haben mich da auf einen guten Gedanken gebracht. Und Sie kommen [pg 226]auch mit vor in meiner Lebensgeschichte, Sie sollen sogar eine Hauptrolle darin spielen, Onkel Heinz.“
„Na, das wird was Schönes werden,“ gab der Professor zur Antwort, „eine schreibende Frau? Brr!“
„Onkel Heinz, das sagen Sie nicht. Denken Sie doch, wie interessant es für Sie sein wird, wenn Sie bei dieser Gelegenheit erfahren, wie ich einst war – eigensinnig, unbeugsam, wild und unbändig, ein rechter böser Trotzkopf. Und was ich dann alles leiden und ertragen mußte, und wie ich geheilt wurde durch alle meine Lieben und Freunde, durch Leo, durch Nellie und auch durch Sie, Onkel Heinz.“
„Durch mich?“ fragte er, sie ungläubig ansehend.
„Ja, auch durch Sie, Onkel Heinz, glauben Sie es mir nur,“ gab sie mit ernstem Gesicht zur Antwort, und der dankbare Blick, der ihn traf, bewies ihm, daß sie die volle Wahrheit gesprochen hatte.
Die jungen Leserinnen, welche die Personen dieser Erzählung liebgewonnen haben, werden gerne erfahren, daß die Fortsetzung dieses Bandes unter dem Titel „Trotzkopf als Großmutter“ in gleichem Verlag erschienen ist.