Er sagte nichts weiter als diese wenigen Worte, die er mühsam Atem holend hervorbrachte. Herr Macket hatte ihn schweigend, mit den Händen auf dem Rücken, angehört und [pg 48]setzte nun seine Wanderung im Zimmer auf und ab wieder fort. Frau Anne sah voll Mitleid auf den jungen Mann, der durch Ilses Leichtsinn tief getroffen war.
„Ilse hat unverzeihlich gehandelt, so weit durfte sie in ihrer Leidenschaft nicht gehen,“ sagte sie ärgerlich.
Ihre besänftigenden Worte von vorhin hatten bei ihrem Manne die entgegengesetzte Wirkung hervorgerufen, jetzt aber, wo ihre gerechte Empörung deutlich aus ihren Worten sprach und auch Leo Ilse nicht in Schutz nahm, löste sich die Erbitterung von seinem Herzen und verwandelte sich in zärtliche Sorge für den fernen Liebling. Er malte sich in Gedanken Ilses Reise aus und die mancherlei Unannehmlichkeiten, welche sie gewiß betroffen hatten.
„Was mag das arme Kind für eine Angst ausgestanden haben auf der Reise!“ Mit diesen Worten machte er schließlich seinen Gefühlen Luft. „Und in der fremden Stadt, wo sie niemand kennt. In der Dunkelheit ist sie dort angekommen, – sie hat sich gewiß sehr gefürchtet.“
Frau Anne dachte, diese Furcht und Angst wäre am Ende nur die gerechte Strafe für ihre Tollkühnheit gewesen.
„Wenn sie nur keine nassen Füße bekommen und sich erkältet hat,“ fuhr Herr Macket fort. „Nellie wird doch wohl dafür gesorgt haben, daß sie gleich ins Bett kam.“
Seine Stimme klang mit jedem Worte sanfter und weicher. Der erste Unmut über Ilses Flucht war erloschen und hatte einer zärtlichen Besorgnis Platz gemacht. Gedankenvoll blieb er eine Weile stehen.
„Leo,“ redete er diesen plötzlich an, „morgen früh um 8½ Uhr geht der erste Zug nach F.; mit diesem reisen wir, nicht wahr?“
Verblüfft sah ihn Leo an und fragte dann: „Willst du Ilse holen, Papa? Dann werde ich dich morgen früh sehr gerne zum Bahnhof begleiten.“
Jetzt drückten Herrn Mackets Züge eine förmliche [pg 49]Erstarrung aus. „Ja, du reisest doch mit?“ fragte er erstaunt.