„O, das ist famos! Seit meiner Studienzeit habe ich es nicht so gut getrunken.“

Und er liebäugelte mit dem frisch gefüllten Glase, das vor ihm stand, und aus dem er dann einen tiefen Trunk tat. –

Der Doktor hatte öfter nach der Türe gesehen, da er noch immer hoffte, Nellie würde die Pastorin überredet haben, sie abzuholen.

„Ich dachte, Ihre Frau würde sich noch haben bewegen lassen, hierherzukommen,“ sagte er zum Pastor und fügte erklärend hinzu, als er dessen erstaunt fragende Augen auf sich gerichtet sah: „Ich hatte meiner Frau nämlich geschrieben, daß wir die Damen hier erwarteten.“

„So, so, das hatten Sie geschrieben? Werter Herr Doktor, meine Frau geht in kein Wirtshaus, sie sagte es ja noch heute morgen.“

„Das war doch nur Scherz,“ fiel Althoff ein.

„Nein, ach nein, in solchen Dingen scherzt meine Frau nicht.“

Ein bedauernder Zug glitt bei diesen Worten über die Züge des Pastors, von denen jetzt die ruhige Behaglichkeit verschwunden war. Der Gedanke an seine Frau machte ihn unruhig, er sah nach der Uhr und meinte, es wäre die höchste Zeit, daß sie gingen; energisch trieb er jetzt zum Aufbruch, an den er noch eben zuvor nicht gedacht hatte.

„Ich möchte doch meine Frau nicht warten lassen,“ sagte er, indem er sich seinen Überzieher anzog. Unterwegs schwärmte er noch immer von dem schönen Frühschoppen und erklärte scherzend, daß er bald mal wieder kommen würde, allein schon des guten Bieres wegen.

Als sie am Althoffschen Hause angelangt waren, überlegte er im stillen, wie er Rosi am besten beschwichtigen könnte und was er zu ihren Vorwürfen sagen wollte. Er stieg zögernd die Treppe hinauf und dachte: „Wie wird sie mich wohl empfangen?“ Aber Rosi empfing ihn besser, als er erwartete. Nellie und Ilse hatten es fertig gebracht, sie zu besänftigen, ihnen verdankte es der Pastor, daß er von seiner Frau zwar förmlich und gemessen, aber wenigstens ohne die erwartete Gardinenpredigt begrüßt wurde. Mit keinem Worte erwähnte sie, wo er gewesen war, und als Nellies Mann lebhaft bedauerte, daß die Damen nicht nachgekommen wären, schwieg sie auch. Der Pastor atmete erleichtert auf und setzte sich in bester Stimmung mit den übrigen zu Tische. Es schien, als erwarteten ihn heute lauter Genüsse. Doktor Althoff hatte einen feinen alten Wein aus dem Keller geholt und forderte lebhaft zum Trinken auf.