[Ein Broddieb.]

Während meines sechsmonatlichen Aufenthaltes machte ich unter anderen Bekanntschaften (unter meinen Patienten) auch die dreier mit einander nahe verwandter deutscher Familien, welche, um mir ihre Dankbarkeit für einige gelungene Curen zu beweisen, mich aufforderten, mir ein Häuschen in ihrem Hofe zu bauen, wohl in meiner Office, wo ich bisher wohnte, zu praktiziren, allein in dem ersteren zu wohnen, damit ich eine bessere Kost etc. und andere Bequemlichkeiten genießen und mich auch besser für meine zweite Reise vorbereiten könnte. Ich nahm ihren gütigen Antrag an, und wohnte etwa zwei Monate unter ihnen, gerade die Zeit vor meiner zweiten Abreise in's Innere. Ich betrachtete die Sprossen dieser Freunde als meine Brüder und Schwestern und wir haben immer dies freundschaftliche Verhältniß zu einander bewahrt. Sie waren mir alle zu den Vorbereitungen zur Reise behilflich, und als ich, bis auf 120 £ St., die gesammten Kosten (gegen 900 £ St.) für diese Reise zurückgelegt hatte, da wurde es mir durch die Güte des einen der drei Familienväter ermöglicht, Güter zu denen, die ich schon für baares Geld erkauft hatte, von einem der Handelshäuser in Dutoitspan im Werthe von 117 £ St. geliehen zu erhalten, und schon vier Wochen vor der anberaumten Zeit die Reise antreten zu können.

Diese Güter bestanden in Schießmaterial, baumwollenen gefärbten Decken, Tüchern, Kleidern und Draht, und ich gedachte die Objecte als Tauschgegenstände zu benutzen, um uns, wenn nöthig, Nahrung zu verschaffen, hauptsächlich aber, um ethnographische Gegenstände und Carossen aus verschiedenen Thierfellen für meine Sammlungen zu erstehen.

Seitdem sich die Diamantenfelder zu purificiren begannen, viele Elemente ausschieden und nur jene geblieben waren, die auf einen längeren Aufenthalt vorbereitet, sich wohnlich eingerichtet hatten, seitdem die gesetzlichen und socialen Verhältnisse einen Umschwung zum Guten erfuhren, haben sich die Central-Diggings einer europäischen Großstadt genähert. Früher herrschte zwar auch der Luxus der letzteren auf der traurigen Ebene zwischen dem Modder- und Vaal-River, allein dieser Luxus wohnte in Zelten und elenden Bretter- und Eisenhütten und war mehr Waare als Gegenstand ruhigen und praktischen Genusses.

Im Jahre 1873, eben nach meiner Rückkehr von der ersten Reise, griff eine lebhafte Auswanderung nach den Goldfeldern im Leydenburger District der Transvaal-Republik um sich, und dies namentlich, weil aus dem letzteren Staate sehr gute Nachrichten über die Goldfelder einzulaufen pflegten, und die Regierung der Transvaal-Republik mit der Idee der Delagoa-Pretoria-Eisenbahn sich zu befassen begann. Diese Nachrichten ermuthigten Viele, nach Leydenburg zu pilgern und Golddiggers zu werden, ihnen schloß sich eine große Zahl, der aus allen Erdtheilen meist mit kleinen Baarschaften Zugewanderten an, die sich in den Diamantenfeldern arm »gediggt« oder ihre Mittel zu gutem Theile vertrunken oder verspielt hatten und daher begierig die Idee aufnahmen, an einer anderen Stelle dem in Australien, Amerika, Neu-Schottland etc. vergebens gesuchten Glücke wieder nachjagen zu können.

Je näher die Zeit des beabsichtigten Aufbruches rückte, desto eifriger und umfangreicher wurden die Vorbereitungen betrieben. So wurde der Wagen mit neuen Eisenbändern versehen, und um das Brechen der Dachleisten—denn meine zweite Reise sollte mich durch bewaldete Partien führen—zu verhüten, ein Eisendrahtnetz zwischen drei wasserdichte Leinwandlagen eingelegt, was sich jedoch, sowie ein kleines Aussichtsthürmchen, das am Wagen angebracht wurde, später auf der Reise als unnöthig erwies. Ich selbst benützte die Zeit, um mich in der Reitkunst zu üben; an Gelegenheiten, meine Fertigkeit in dieser Hinsicht zu erproben, sollte es auf der zweiten Reise nicht fehlen. Die ungesunde Jahreszeit forderte auch bei mir ihren Tribut, ich verfiel in ein heftiges Fieber, von dem ich mich nur allmälig erholen konnte, und welches mich veranlaßte, die Abreise aus den Diamantenfeldern thunlichst zu beschleunigen.

Freund E., der in der Old de Beers-Mine sein Glück als Diamantendigger, allein mit immer gleichem Mißerfolg erprobte, willigte ein, mich auch auf dieser zweiten Reise zu begleiten. Er wollte auch ein Stückchen mehr von Afrika sehen und nach seinen Worten »mir helfen wo er konnte«. Ich bat ihn, die Oberaufsicht über den Wagen zu übernehmen (wie auf der ersten Reise), was er auch that, und derselben in der besten und redlichsten Weise gerecht wurde.

Die zweite Reise sah ich keineswegs als meine Hauptreise an, sondern als eine zweite, doch größere Versuchsreise, auf der ich wenigstens die Hälfte der Strecke zwischen den Diamantenfeldern und dem Zambesi zurücklegen und neue Erfahrungen für meine geplante große Reise nach Central-Afrika sammeln wollte.

Unter meinen früheren Patienten befand sich auch ein junger Mann aus Preußisch-Schlesien, der gewillt zu sein schien, mich auf dieser zweiten Reise zu begleiten. Doch eines schönen Tages, nachdem ich für ihn bei seinen Gläubigern gutgestanden und einen Theil seiner Verpflichtungen getilgt, war er auf Nimmerwiedersehen verschwunden, mir es überlassend, seine Gläubiger zu befriedigen. Es war dies eine der gewöhnlichen Erfahrungen in den Diamantenfeldern, die damals noch ein Heer zweifelhafter Existenzen beherbergten.

Durch Freund Eberwald's Fürsprache ließ ich mich trotz aller meiner schlimmen Erfahrungen mit F. erweichen, ihn wieder als Begleiter auf die Reise mitzunehmen. Als dritten Gefährten brachte Freund E. eines Tages einen seiner Bekannten, Herrn Boly aus Hannover mit und sprach sehr zu seinen Gunsten; ich habe es später nie bereut, daß ich ihn acceptirte. Einer meiner Kunden hatte mir ein Gespann von acht Ochsen und einen Griqua als Triber besorgt.