I.
Von den Diamantenfeldern an den Molapo.
Aufbruch von Dutoitspan. — Uebergang über den Vaal. — Korannagräber im Hart-Riverthale. — Mamusa. — Wildgansjagd am Moffat’s Salzsee. — Ein Nest des Königskranichs. — Ein Löwenabenteuer Taylor’s. — Molema’s Town. — Barolongen-Hochzeit. — Beschwörungsmittel. — Eine Gerichtssitzung. — Kalte Tage. — Das Malmanithal. — Weltevreeden-Farm.
Batlapinen auf der Bläßbockjagd.
Nach fast dreijährigem Aufenthalte auf dem heißen Boden des schwarzen Erdtheils, der Ruhmes- aber auch schweren Leidensstätte so vieler von froher Begeisterung für ihren Beruf erfüllter Männer, stand ich nun an der Schwelle meiner eigentlichen Aufgabe. Die verschiedensten Gefühle durchwogten meine Seele, konnte und durfte ich hoffen, das ferne Ziel zu erreichen, um dessentwillen ich die Heimat und meine Lieben verlassen hatte, war ich den Schwierigkeiten der geplanten Reise auch gewachsen? — Die gesammelten Erfahrungen auf meinen zwei vorhergegangenen Uebungs- und Recognoscirungs-Touren schienen mir diese Frage zu bejahen, ich hatte die verschiedenen Tücken und Gefahren der afrikanischen Natur, die zahllosen widrigen und störenden Zufälligkeiten im Verkehre mit den Eingebornen, ihre Behandlungsweise, die Tragweite und den Werth treuer und verläßlicher Begleiter und Diener kennen gelernt, und nach diesen Erfahrungen mich nach besten Kräften auf diese, meine dritte Reise, welche eine Forschungsreise im eigentlichen Sinne werden sollte, vorbereitet; — doch wo und wann ließ sich in Afrika der Erfolg selbst der ausdauerndsten und energischesten Bestrebungen beschränkter Menschenkraft mit Zuversicht vorherbestimmen!
Aus dem Widerstreite aller dieser Gedanken und Gefühle tauchte zuletzt das Bild des atlantischen Oceans bei Loanda auf und belebte meinen Muth, stärkte mein Vertrauen; in so manchen schwierigen Fällen war mir das Glück als treuer Bundesgenosse beigestanden, vielleicht lächelte es mir auch diesmal und half mir das Unberechenbare, an dem Forschungsreisen in Afrika so reich sind, überwinden.
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Am 2. März 1875 verließ ich Dutoitspan und begab mich vorerst zu einem Freunde nach Bultfontein, um hier bis zum 6. zu verweilen und den Rest meiner Geschäfte zu besorgen. Im Plane meiner eben anzutretenden Reise lag es, Süd-Central-Afrika zu erforschen und da ich deshalb kaum nach der Capcolonie zurückzukehren glaubte, hatte ich diesmal bei meinem Scheiden aus den Diamantenfeldern mehr und wichtigeres zu besorgen, als dies bei den zwei vorhergegangenen Versuchsreisen der Fall war.
Von Bultfontein am 6. aufbrechend legte ich etwa 11 Meilen zurück und hielt bei einer von einer sandigen, schon von den Diamantenfeldern aus sichtbaren Bodenerhebung umschlossenen Regenlache die erste Rast. Wir schliefen in dem tiefsandigen, auf einige Meilen hin den nach dem Transvaal-Gebiete führenden Weg begleitenden Mimosengehölze, dessen Durchzug jedem Gefährte so widerlich wird.