DIE FORMEN DER POLITISCHEN MORDE
| »Tödlich verunglückt« | 184 | Als Repressalie erschossen | 10 |
| Willkürlich erschossen | 73 | Willkürlich erschossen | 8 |
| »Auf der Flucht erschossen« | 45 | ||
| Angebliches Standrecht | 37 | Angebliches Standrecht | 3 |
| Angebliche Notwehr | 9 | Angebliche Notwehr | 1 |
| Im Gefängnis oder Transport gelyncht | 5 | ||
| Angeblicher Selbstmord | 1 | ||
| Summe der von Rechtsstehenden Ermordeten | 354 | Summe der von Linksstehenden Ermordeten | 22 |
DIE SÜHNE DER POLITISCHEN MORDE
| Politische Morde | Gesamtzahl | ||
|---|---|---|---|
| begangen | von Linksstehenden | von Rechtsstehenden | |
| Gesamtzahl der Morde | 22 | 354 | 376 |
| davon ungesühnt | 4 | 326 | 330 |
| teilweise gesühnt | 1 | 27 | 28 |
| gesühnt | 17 | 1 | 18 |
| Zahl der Verurteilungen | 38 | 24 | |
| Geständige Täter freigesprochen | — | 23 | |
| Geständige Täter befördert | — | 3 | |
| Dauer der Einsperrung pro Mord | 15 Jahre | 4 Monate | |
| Zahl der Hinrichtungen | 10 | — | |
| Geldstrafe pro Mord | — | 2 Papiermark |
NICHT AUFGENOMMENE TÖTUNGEN
Wie bereits in der Einleitung hervorgehoben, macht die vorliegende Sammlung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zunächst habe ich natürlich alle Körperverletzungen weggelassen, die nicht tödlich ausgingen, wie z. B. den Ueberfall auf von Gerlach, Dr. Magnus Hirschfeld, die Attentate auf den Abgeordneten Auer, auf Scheidemann, Harden usw., bei denen der Mordversuch offenkundig war.
Ferner habe ich in die Sammlung nicht aufgenommen:
1. Die Opfer von Demonstrationen, Straßenkämpfen und von Lynchungen durch eine erregte Menge, wie sie vielfach z. B. während der Märzunruhen in Berlin, während des Kapp-Putsches und im Rheinland vorgekommen sind. Während des Kapp-Putsches wurden Hunderte von Arbeitern durch die meuternden Truppen und auch manche Soldaten durch Arbeiter erschossen. So fiel z. B. Hauptmann Bertold im Straßenkampf gegen die Arbeiter von Harburg. Von anderen Opfern von Unruhen seien kurz erwähnt: die 20 in Königshütte am 2. Januar 1919 erschossenen streikenden Arbeiter, die 5 durch die Garde-Kav.-Schützendivision in der Weinmeisterstraße im Februar 1919 Erschossenen, die 34 in der Köpenicker Straße in Berlin im März 1919 erschossenen Kommunisten, die 5 Reichswehrsoldaten, die durch die Baltikumer in Soest im Juni 1920 erschossen wurden. Zuletzt die 2 durch die auf Borkum stationierte Küstenwehr am 31. Dezember 1920 Erschossenen. Von der linken Seite stehen dem u. a. eine Reihe von Lynchungen gegenüber, die durch eine erregte Menge vorgenommen wurden, z. B. der Fall des sächsischen Kriegsministers Neuring und des Oberstleutnants v. Klüber in Halle, die Fälle am Wasserturm in Essen, am Rathaus in Schöneberg usw.
2. Alle Fälle, wo die erschießende Partei behauptet, daß sie von der Menge angegriffen wurde, gleichgültig, ob dies nachweisbar ist oder nicht. Daher habe ich nicht behandelt: die Erschießung von 17 Arbeitslosen in Breslau am 13. Februar 1919, die Erschießung des Arbeiters Hermann Mark in der Müllerstraße in Berlin am 3. Oktober 1919, die Erschießung eines Kriegsbeschädigten in Spandau am 12. Dezember 1919, die Erschießungen von 42 Demonstranten vor dem Reichstag am 13. Januar 1920, die Erschießung des Arbeiters Jusselbeck bei einer Versammlung in Oberhausen am 16. Februar 1920.
3. Alle Ermordungen, denen keine deutschen innerpolitischen Motive zugrunde liegen, also alle Erschießungen in Oberschlesien, ferner die Ermordung des französischen Sergeanten Mannheim, die Ermordung eines polnischen Kommunisten Körner (Rozenblum) durch einen anderen Polen in der Petersburgerstraße in Berlin, und von verschiedenen Türken durch Armenier. Endlich alle Fälle, wo es sich wahrscheinlich um einen persönlichen Racheakt handelte, wie die Ermordung des Abgeordneten Haase durch Voß und die Ermordung des Studenten Kahn in Baden-Baden.