Botticelli konnte den Abend seines Lebens gänzlich den Dante-Studien widmen; denn in seinem Atelier drängten sich die Besteller nicht mehr. Die Florentiner brachten dem Maler, den ein Papst berufen hatte, noch immer Respekt entgegen, baten ihn zuweilen um ein Gutachten in Kunstdingen, – aber Sandros Art schien überholt. Seine Kunst wurzelte nicht im nährendem Erdreich des Florentiner Volkstums; sie glich einer aristokratischen Zierpflanze Careggis, jenes Mediceer-Haines wo die Künstler gelehrt und die Gelehrten Künstler waren. Sandros Schöpfungen bedeuteten die bildgewordene Sehnsucht jener Estheten, die hier, unter Cypressen, zu Füssen eines marmornen Hellenengottes, den ewigen Traum einer versunkenen Schönheitswelt träumten. Als Lorenzo de' Medici starb und seine humanistischen Freunde dem Florenz Savonarolas den Rücken kehrten, verlor Sandro alle Verehrer seiner Kunst. Auch der Geschmack hatte sich gewandelt: einem Geschlecht, das die pompösen, aber seelenarmen Gemälde Fra Bartolommeos bewunderte, konnten Botticellis Werke nichts mehr sagen. Die jungen Künstler schworen auf Michelangelo; und die Banausen, – es wird an solchen auch in der Renaissance nicht gemangelt haben, – was konnte ihnen die scheue Poesie des »Frühlings« oder des »Magnificats« sein? So schleppte Sandro arm und einsam seine letzten Jahre, und als er am 17. Mai des Jahres 1510 in der Kirche Ognissanti begraben wurde, mochten manche staunend erfahren, dass er überhaupt noch gelebt hatte. Man vergass ihn rasch. In der Florentiner Kunst der Hochrenaissance und des Barocks verspüren wir seines Geistes nicht den leisesten Hauch und selbst die feinsten Amateure des Rokoko gingen achtlos an Sandros Werken vorüber. Erst das neunzehnte Jahrhundert entdeckte die Kunst Botticellis und fand in der sehnsüchtigen Schönheit seiner Bilder den Wiederschein der eigenen Träume.
VERZEICHNIS DER WERKE SANDRO BOTTICELLIS.[1]
[1] Atelier- und Schulwerke sind in dies Verzeichnis nicht aufgenommen. Wo keine nähere Bezeichnung dabei steht, ist als Aufenthaltsraum des Bildes immer die Hauptgalerie des Ortes anzusehen. Die Zahlen vor dem Bildnamen beziehen sich auf den Katalog der betreffenden Galerie, die Zahlen hinter dem Bilde bezeichnen das Entstehungsjahr, sofern dies gesichert scheint.
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN
| Botticellis Selbstbildnis aus der »Anbetung der Könige«, | [Titelbild] |
| Seite | |
| Fortezza, | [8] |
| Der heilige Sebastian, | [12] |
| Kopf der Madonna aus dem »Magnificiat« | [20] |
| Töchter Jethros. Detail aus dem Fresco: Die Thaten des Moses, | [36] |
| Mars und Venus, | [40] |
| Frühling, | [44] |
| Geburt der Venus, | [48] |
| Verläumdung des Apelles, | [52] |
| Salome, | [56] |
| Geburt Christi, | [60] |