Karl von Heigel, geb. am 25. März 1835 zu München, wandte sich der Unterhaltungslitteratur zu und schrieb Novellen, Romane und Dramen. Seine spätere Produktion (»Der Weg zum Himmel«, »Roman einer Stadt«, »Der Herr Stationschef« u. a.) steht unter dem Einfluß des Realismus.

Karl Frenzel, geb. am 6. Dez. 1827 in Berlin, weiteren Kreisen bekannt als Kritiker der Nationalzeitung, verdient seinen Platz in der Litteratur durch seine Romane, Novellen und wissenschaftlichen Schriften, die Gelehrsamkeit mit seiner Lebensbeobachtung verbinden, und deren Stoffe meist der Zeit des Rococos, dem 18. Jahrhundert, entnommen sind (»Melusine«, »Papst Ganganelli«, »Im goldenen Zeitalter«, »Renaissance und Rokoko«, »Des Lebens Ueberdruß«, »Dunst«, »Schönheit«, »Wahrheit«, »Frauenrecht«).

Adolf Stern, geb. am 14. Juni 1835 in Leipzig, lebt jetzt als Professor für Litteraturgeschichte am Polytechnikum in Dresden. St. ist Epiker und Novellist (»Jerusalem«, »Gutenberg«, »Aus dem 18. Jahrhundert«, »Die letzten Humanisten«) und wiederholt als feinsinniger Litterarhistoriker hervorgetreten.

Ferdinand von Saar, geb. am 30. Sept. 1833 in Wien, ist keine scharf ausgeprägte Dichternatur. Seine Erfolge verdankt er den »Gedichten« und den Novellensammlungen (»Novellen aus Österreich«, »Herbstreigen« u. a.), die ihm den Namen eines Walter Scott der Novelle eingetragen haben. Seine Dramen (»Heinrich IV.«, »Die beiden De Witt«, »Eine Wohlthat«) konnten sich nicht auf der Bühne behaupten.

Heinrich von Reder, geb. am 19. März 1824 in Mellrichstadt, begann seine litterarische Laufbahn mit »Soldatenliedern von zwei deutschen Offizieren«. Seine Hauptwerke, die »Federzeichnungen« und das »Lyrische Skizzenbuch«, tragen realistisches Gepräge.


Vaganten und Spielmänner.

Josef Victor von Scheffel, geb. am 26. Febr. 1826 in Karlsruhe, gest. am 9. April 1886, ist besonders der Lieblingsdichter der akademischen Jugend, der er eine große Zahl sangbarer Lieder schenkte, aus denen ein unverwüstlicher, feuchtfröhlicher Humor spricht. Sein lyrisch-episches Werk: »Der Trompeter von Säckingen«, das 1854 erschien, fand begeisterte Aufnahme. Weit bedeutender als dieses ist jedoch sein »Ekkehard«, ein trotz alles gelehrten Beiwerks und der fleißigen Quellenstudien von echter Poesie durchdrungenes Werk, das man als den besten kulturhistorischen Roman der letzten Jahrzehnte bezeichnen kann. Von Sch.'s weiteren Werken verdienen noch genannt zu werden: »Frau Aventiure«, »Gaudeamus« und »Bergpsalmen«.

Rudolf Baumbach, geb. am 28. Sept. 1840 in Kranichfeld in Thüringen, ist einer der »liebenswürdigen« Dichter, der Naturbursche unter den Poeten. Seine lyrischen Gedichte, die sich durch Natürlichkeit und Frische auszeichnen und vielfach zu Volksliedern geworden sind, erschienen in verschiedenen Sammlungen: »Lieder eines fahrenden Gesellen«, »Mein Frühjahr«, »Von der Landstraße«, »Krug und Tintenfaß« u. a. Außerdem besitzen wir von ihm Märchen und Epen, die ebenfalls in weitere Kreise gedrungen sind.

Julius Wolff, geb. am 16. Sept. 1834 in Quedlinburg, gehört zu den »Erfolgreichen« der 70er und 80er Jahre. Seine erste Veröffentlichung waren Gedichte »Aus dem Felde«. Einen durchschlagenden Erfolg errang er mit seinen Epen »Der Rattenfänger von Hameln«, »Der wilde Jäger«, »Der Tannhäuser«, »Lurlei« u. a., deren künstlerischer Gehalt zwar nicht hervorragend ist, die aber das große Publikum immer durch ihre Sentimentalität und Rührseligkeit entzücken werden. Der Beifall, den seine Epen fanden, übertrug sich auch auf seine Romane »Recht der Hagestolze«, »Der Sülfmeister«, »Das schwarze Weib«.