[4] Diese Rubrik, die ihrer Natur nach die umfangreichste des ganzen Werkchens darstellen müßte, wurde auf Veranlassung des Verlegers »als unerheblich« (?!) auf das »unbedingt Notwendige« beschränkt.

Gregor Samarow (Pseudon. für Oskar Meding), geb. am 11. April 1829 in Königsberg i. Pr., kultivierte besonders den sensationell gefärbten Zeitroman (»Scepter und Kronen«, »Europäische Minen und Gegenminen«, »Zwei Kaiserkronen« und Dutzend andere).

Dr. Alfred Friedmann, geb. am 26. Okt. 1845 in Frankfurt a. M., »ist seit 27 Jahren auf allen Gebieten erfolgreich thätig, seine Romane standen in der »Köln. Ztg.«, in »Westermanns Monatsheften«, »Nord und Süd«, »Berliner Tageblatt« etc., seine Gedichte in 3 Bänden gesammelt, standen überall. Zahlreiche Feuilletons trugen ihm Briefe bis aus Ostindien ein, Heyse, Geibel, Bodenstedt, Lingg etc. schrieben über den Dichter und waren ihm befreundet. F. war Redakteur in Wien, ist es in Berlin, reiste zu Kongressen und wurde von Reclam in 7 Bänden von je 8 Auflagen à 5000 Exemplare verlegt«.[5]

[5] Unverkürzt nach den eigenen Angaben des Dichters.


Die dramatischen Hauptmänner der Gegenwart.

Ernst von Wildenbruch, geb. in Beirut am 3. Febr. 1845, ist einer der erfolgreichsten Dramatiker der Gegenwart, seiner Artung nach mehr den Älteren, denen Schiller noch keine abgethane Größe ist, als den Modernen zuzuzählen. Wird auch bei ihm die Charakteristik sehr oft durch die Rhetorik ersetzt, so ist er doch unerreicht in der Schaffung wirkungsvoller Scenen. Von seinen erfolgreichsten Stücken der ersten Zeit führen wir an »Die Karolinger«, »Harold«, »Der Mennonit«, »Väter und Söhne«. Später entnahm W. hauptsächlich den Stoff seiner Dramen, in denen sich der Hurrahpatriotismus auf Kosten des dichterischen Gehalts breit macht, der Geschichte der Hohenzollern (»Die Quitzows«, »Der Generalfeldoberst«, »Der neue Herr«, »Heinrich und Heinrichs Geschlecht«). Den Einfluß Sudermanns zeigt das realistische Stück »Die Haubenlerche«. Neben dem Dramatiker W. feierte der Erzähler Triumphe (»Humoresken«, »Der Astronom«, »Eifernde Liebe«, »Schwester-Seele« u. a.). W.'s dichterisches Können findet den stärksten Ausdruck in seinen Kindergeschichten: »Das edle Blut«, »Kinderthränen«.

Gerhart Hauptmann, geb. am 15. Nov. 1862 in Salzbrunn, hat sich in verschiedenen Berufen versucht, bevor er den Dichter in sich entdeckte. Durch Arno Holz wurde er dem konsequenten Naturalismus gewonnen; sein erstes Stück: »Vor Sonnenaufgang« steht ganz unter dem Einflusse ausländischer Vorbilder, vor allem Ibsens. Nicht höher sind die nächsten Dramen: »Das Friedensfest« und »Einsame Menschen« zu werten. Erst das sociale Drama »Die Weber«, das ein Bild von der Lage des deutschen Arbeiters in der letzten Vergangenheit giebt, brachte ihm den ersehnten Erfolg, der durch die beiden nächsten Stücke »College Crampton« und »Der Biberpelz«, die hauptsächlich Charakterstudien sind, in denen sich eine humoristische, stark mit Satire vermischte Ader offenbart, noch mehr befestigt wurde. Die nun folgende Traumdichtung »Hannele« zeigt den Dichter im Lager der Symbolisten. Im »Florian Geyer« sucht er mit vergeblichem Bemühen das historische Drama zu meistern. Den Mißerfolg des letzteren Stücks, das alles andere, nur nicht historisch ist, glich H. mit der »Versunkenen Glocke« aus, die auf allen großen Theatern den Ruhm des Dichters kündete, der durch sein nächstes Stück »Fuhrmann Henschel« zu einem unbestrittenen wurde. Ein Mißerfolg war seiner letzten Schöpfung, »einer unbesorgten Laune Kind«: »Schluck und Jau, Spiel zu Scherz und Schimpf mit 5 Unterbrechungen«, die er noch bezeichnender Erlösungen hätte benamsen können, beschieden. Sie beweist aufs neue, welch' großer Dichter Shakespeare war, von dem sich H. zu dem Stücke »anregen« ließ. H. ist in erster Linie novellistisches Talent, (vgl. auch »Bahnwärter Thiel«), ein scharfer Beobachter und ein Meister der Kleinmalerei. Seine dichterische Entwicklung ist sprungweise vor sich gegangen, er hat sich auf allen Gebieten versucht, ehe er das Rechte fand, das ihn aus einem psychologischen Destillateur zum Dichter machte.

Hermann Sudermann, geb. am 30. Sept. 1857 in Matziken in Ostpreußen, ergriff zuerst wie Ibsen – mit dem er sonst keine Berührungspunkte hat – den Apothekerberuf, studierte dann in Königsberg und Berlin Geschichte und Sprachen und wandte sich später ganz der Litteratur zu. Ursprünglich als Romanschriftsteller thätig, errang er seinen ersten glänzenden Erfolg mit dem Schauspiel »Ehre«, das über sämtliche deutsche und ausländische Bühnen ging. Ein starkes theatralisches Talent, hat er es immer verstanden, Konzessionen an die große Menge zu machen. Er kennt sein Publikum und weiß, was er ihm vorzusetzen hat, daher findet er selten den Mut einer Tendenz. Ein trostloser Pessimismus geht durch seine Stücke, in denen er das Faule und Morsche mit besonderer Vorliebe behandelt, ohne jedoch den Weg zu einer besseren Zukunft auch nur anzudeuten. Über den Mangel an dichterischem Gehalt täuscht er hinweg durch eine brillante Technik und eine feine Witterung für die modernsten Probleme. Seine Kunst ist keine innerliche, sie läßt eine selbständige Weltanschauung vermissen. Das tritt nicht nur in seinem ersten Stück, sondern auch in seinen späteren Schöpfungen: »Sodoms Ende«, »Heimat«, »Schmetterlingsschlacht«, »Morituri«, »Das Glück im Winkel«, »Johannes«, »Die drei Reiherfedern« zu Tage. Über dem Dramatiker wird häufig der Romancier Sudermann vergessen, der uns mit einer Reihe spannend geschriebener Romane und Novellen: »Im Zwielicht«, »Frau Sorge«, »Geschwister«, »Der Katzensteg«, »Jolandes Hochzeit«, »Es war« beschenkt hat, unter denen »Frau Sorge« obenan steht.