Flora und Annemie fertigten Netze aus Goldpapier an. »Eine geisttötende Arbeit,« flüsterte Flora Annemie zu, »und außerdem ohne jede Poesie. Warum die Tanne mit allerhand Tand aufputzen? Ist sie nicht am herrlichsten in ihrem duftigen, grünen Waldkleide? – Lichter vom gelben Wachsstocke in ihr dunkles Nadelhaar gesteckt, – ein goldener Stern hoch oben auf ihrer schlanken Spitze, – schwebend – strahlend! – das nenn’ ich Poesie!« –
Hier hielt sich Annemie nicht mehr, sie bekam einen solchen Lachreiz, daß sie aufsprang und hinauslief, um sich draußen erst auszulachen.
Dicht unter dem Baume standen Grete und Nellie. Letztere hoch auf einer Trittleiter, eine große Düte Salz in der Hand haltend. Die andre mit einem Leimtiegel in der Hand war ihr Handlanger. Das heißt, sie reichte Nellie den Pinsel zu, damit diese die Zweige mit dem Leim bestrich, bevor sie Salz darauf warf.
»Jetzt bin ich eine große Sturmwind und mache der Baum voller Schnee,« scherzte Nellie.
»Wirklich! – die Zweige werden weiß!« rief Ilse und verließ einen Augenblick ihre Arbeit, um sich das Schneetreiben genau anzusehen. »Das ist aber klassisch! Das gefällt mir! Nein, das sieht zu reizend aus!«
Freilich fiel ein großer Teil Salz unter den Baum, indes Nellie ließ sich die Mühe nicht verdrießen, immer wieder kehrte sie dasselbe zusammen und strich es mit der Hand dick auf den Leim.
»Du alt’ Baum wirfst sonst alles Schnee auf die Erde,« meinte sie. »Aber das ist schlechte Arbeit, alle meiner Finger kleben.«
Rosi trat jetzt auch an den Baum heran, um ihn mit den glänzenden Tannenzapfen zu schmücken. Sie sah heute ganz anders aus als sonst. Ihre sonst so gleichmäßigen Züge trugen den Ausdruck froher Erwartung, ihre milden Augen strahlten und rosig waren ihre Wangen angehaucht.
»O du selige, o du fröhliche Weihnachtszeit,« summte sie mit ihrer frischen Stimme leise vor sich hin, und Fräulein Güssow rief ihr zu:
»Singe nur laut heraus, Rosi, das bringt uns bei unsrer Arbeit so recht in die echte Weihnachtsstimmung.«