Ganz behutsam nahm sie denn auch den Deckel ab, warf die Papierschnitzel heraus und fand in feines Seidenpapier eingeschlagen ein zerbrochenes Herz von Bisquit!
»Wie abscheulich von dir, Nellie!« rief sie gekränkt und wandte sich sofort an die richtige Adresse. Das Herz warf sie achtlos beiseite.
»Nicht so hitzig, Flora,« riet Grete, »sieh doch das zerbrochene Herz erst näher an.«
Zögernd entschloß sie sich dazu, und als sie ein reizendes, kleines Toilettekissen höchst künstlich verborgen entdeckte, söhnte sie sich einigermaßen mit der bösen Nellie aus.
Aber nicht Flora allein, auch all die übrigen mußten manche kleine Neckerei in den Kauf nehmen, so manche schwache Seite wurde an das Tageslicht gefördert und schonungslos gegeißelt. Die Vorsteherin wachte darüber, daß diese Reibereien stets in den Grenzen des Scherzes blieben; im allgemeinen hielt sie dieselben für ein gutes Mittel, sich gegenseitig auf die Fehler aufmerksam zu machen, es half oft mehr als alle ernsten Ermahnungen.
Nellie stand vor einem großen Berg Eßwaren, die sie aus ihren Paketen, in welchen sie außer einem kleinen Geschenke immer noch nebenbei allerhand Süßigkeiten fand, herausgewickelt hatte.
Schokolade, Marzipan, Apfelsinen, Rosinen und Mandeln, Lebkuchen, und in einem reizenden Kasten von Porzellan zwei saure Gurken. Diese waren eine besondere Lieblingsspeise von ihr.
Sie lachte und fragte, ob sie ein so hungrig Mädchen sei. »O, da ist ja noch ein Paket,« fuhr sie fort, »was für ein leckerer Bissen wird wohl darin sein?«
Aber sie irrte sich, diesmal kam ein Buch zum Vorschein und wie sie es aufschlug, las sie auf dem Titelblatte: »Deutsche Grammatik.« Ein Blatt Papier mit einem kleinen Gedichte lag dabei. Nellie las es vor.
»Lerne fleißig die deutsche Sprache –