Einen kleinen Triumph sollte Miß Lead doch noch feiern, – Ilse verdarb die Liebesszene am Schluß. In dem Augenblick, als Orla sie umarmen wollte, kam ihr das so komisch vor, daß sie in ein lautes Gelächter ausbrach.

»Wie schade!« rief Nellie halblaut. »Warum muß sie lachen? Sie war zu nett, nun verderbt sie die Schluß.«

Doktor Althoff, der zufällig in Nellies Nähe stand, hörte ihren Ausruf. »Trotzdem, Miß Nellie,« entgegnete er, auf einem leeren Stuhl neben ihr Platz nehmend, »ist ihre Freundin die Siegerin des Abends; aber warum wirkten Sie nicht mit, [pg 198]warum sind Sie nur Zuschauerin? Sie würden gewiß eine gute Schauspielerin sein.«

Nellie senkte die Augenlider. »O, Sie sind sehr gütig,« sagte sie befangen, »aber ich weiß nicht zu spielen, Herr Doktor, ich hab’ nicht Talent.«

»Das käme auf einen Versuch an! Sehen Sie Ilse an, wer hätte geglaubt, daß sie eine so allerliebste Schauspielerin sein könne!«

»Nicht wahr?« stimmte Nellie lebhaft und mit aufrichtiger Freude bei, »sie ist reizend und ich bin entzückend über ihr!«

Der junge Lehrer schwieg und sah sie teilnahmvoll an. Wie neidlos kamen ihr die Worte aus dem Herzen, wie leuchteten ihre Augen freudig auf, als sie die Freundin lobte! Und im Vergleich zu Ilse, wie wenig hatte sie doch von der Zukunft zu hoffen! Jene ein Kind des Glückes – und diese? Ein armes Wesen, das den mühevollen Pfad einer Lehrerin pilgern sollte!

»Nicht wahr, ist sie nicht reizend?« wiederholte Nellie und blickte fragend auf.

»Gewiß, gewiß!« gab der Lehrer zerstreut zur Antwort, und von dem Gegenstand plötzlich abspringend, fragte er: »Woher haben Sie die herrlichen Veilchen?« und deutete dabei auf einen Strauß, den sie in der Hand hielt. »Sie duften wundervoll! Ich liebe die Veilchen sehr.«

Sie hörte nur, daß er die Veilchen liebe, bedurfte es da einer großen Ueberlegung? »O nehmen Sie,« sagte sie naiv und errötete dabei, »bitte, es macht mich großer Freude!«