»O nein, nein!« sprach sie eifrig dagegen, »es sind ja lauter Abschiedsgrüße von meinen Freundinnen!«
»So viele Freundinnen!« meinte er und sah in den Korb.
»Es sind sieben Sträuße,« belehrte ihn Ilse, die nämlich glaubte, er wolle dieselben zählen.
»Sie waren schön,« meinte er, »jetzt sind sie schon etwas welk. Nur dieser Rosenstrauß mit der Vergißmeinnichteinfassung ist noch frisch.«
Ilse ergriff denselben und beugte ihr Antlitz darauf. Eine augenblickliche Rührung überkam sie, als sie der Geberin gedachte.
»Ich habe ihn von meiner liebsten Freundin,« sagte sie innig – »von Nellie Grey.«
»Nellie Grey?« fragte er. »Wohl eine Engländerin? Ist sie hübsch und liebenswürdig?« setzte er scherzend hinzu.
»Sie ist reizend!« rief Ilse und geriet förmlich in Feuer, als sie von der Freundin erzählte.
Er hörte ihr stillschweigend zu und amüsierte sich über die Begeisterung, mit der sie lobte, und besonders über die überschwenglichen Ausdrücke, die dabei ihren Lippen entschlüpften. Sie wußte es gar nicht, wie sehr sie sich Melanies Angewohnheit zu eigen gemacht hatte und wie Ausrufe, als: furchtbar reizend! himmlisch! entzückend! süß! u. s. w. u. s. w. ihr ebenso geläufig waren als Melanie und den übrigen Backfischen.
»Wollen Sie nicht erst im Bahnhofsgebäude eine kleine Erfrischung einnehmen?« fragte Leo und bot ihr den Arm, um sie dorthin zu führen.