Mit einem kräftigen Handschlag besiegelte er sein Versprechen.

»Ein Handschlag galt bei uns in der Pension für den höchsten Eid,« sagte sie mit einem ernsten Kindergesicht, »dagegen handeln heißt meineidig sein. – Sie werden doch mitkommen?« wandte sie sich an Leo.

»Natürlich,« entgegnete er freudig, »der feierliche Eid [pg 235]gilt auch für mich. Wollen wir ihn auch mit einem Handschlag besiegeln?«

»O nein,« entgegnete sie leicht errötend, »ich glaube Ihnen schon auf Ihr Wort.«

Als es elf schlug, mahnte Frau Gontrau zur Ruhe. »Sie werden müde und abgespannt sein von der Reise und den vielen fremden Eindrücken, liebe Ilse.«

»Ich empfinde gar keine Müdigkeit,« entgegnete diese, »und könnte noch lange aufbleiben!«

Sie hätte es auch gethan, wenn sie nur Papier und Feder in ihrem Zimmer gefunden hätte! Wie gerne hätte sie ihrer Nellie so ganz frisch ihre Reiseerlebnisse erzählt!

Am andern Morgen gleich nach dem zweiten Frühstück rüstete sich Ilse zur Weiterreise. Eben trat sie mit dem Korbe mit den Blumen vor die Thüre, sie hatte sie noch einmal mit Wasser besprengt.

»Wollen Sie denn die welken Sträuße wirklich wieder mit sich nehmen?« fragte Assessor Gontrau.

Ilse blickte auf den Korb und stand unschlüssig da. »Freilich,« sagte sie betrübt, »sie sehen traurig aus, meine lieben, schönen Blumen, nun sind sie alle welk!«