»Schon aufstehen,« antwortete die Verschlafene, »aber ich bin noch so müde.«
»Thut nix, du darfst nicht mehr schlafrig sein.«
Aber Ilse zögerte noch. Nellie stand schon fertig da, ja hatte schon alles, was sie zur Nacht- und Morgentoilette nötig hatte, beiseite geräumt, als sie sich langsam erhob.
»O Ilse, eile dir, du hast nur zehn Minuten Zeit! Schnell, schnell, ich will dich helfen! Wo sind dein Kamm?«
Ilse zeigte auf ein Papier, das im Fenster lag. »Dort liegen sie eingewickelt,« gab sie zur Antwort.
»Das ist nicht nett, das gefällt mir nicht,« meinte Nellie und rümpfte das Näschen. »Du mußt dich ein Taschen nähen, von grauer Stoff und rote Band, sieh, wie dies da,« und sie zeigte ihre Kammtasche, »siehst du, so ist’s fein.«
Ilse machte nicht viel Umstände mit ihrem Haar. Sie kämmte und bürstete es, damit war alles abgemacht, die natürlichen Locken ringelten sich von selbst ohne weitere Bemühung. Ein hellblaues Band schlang ihr Nellie durch dieselben und band es mit einer Schleife seitwärts zu.
»Nun noch die Schürze,« sagte sie, als Ilse soweit fertig war, »sie darf nicht fehlen.« Sie lachte, als Ilse sich dagegen sträubte.
»Du bist ein klein, albern Ding,« schalt sie und band ihr die Schürze vor, trotz Ilses heftigem Widerstande. »Gleich hältst du still! Ohn’ ein Schürzen giebt es kein Kaffee.«
Die lustige Nellie setzte es wirklich durch, daß Ilse sich ihrem Willen fügte.