Natürlich versprach Ilse, ihr diesen Herzenswunsch zu erfüllen, und zur Besiegelung drückte sie dem kleinen Liebling einen Kuß auf die roten Lippen.

»Ich habe eine famose Idee!« (famos war seit kurzer Zeit Modewort im Institute) rief Ilse am Abend desselben Tages aus, als sie mit Nellie allein war. »Ich kaufe für Lilli eine neue Puppe und kleide sie selbst an. Was meinst du dazu?«

»O, das ist wirklich ein famos Gedanke,« entgegnete Nellie, »aber lieb Kind, hast du auch an der viele Geld gedacht, die so ein’ Puppe mit ihrer Siebensachen kostet? Wie steht’s mit dein’ Kasse?«

»O, das hat keine Not, ich habe sehr viel Geld!« versicherte Ilse sehr bestimmt. Und sie nahm ihr Portemonnaie aus der Kommode und zählte ihre Schätze.

»Zwölf Mark,« sagte sie, »das ist mehr, als ich brauche, nicht?«

»Sie sind ein sehr schlecht’ Rechenmeister, mein Fräulein,« riß Nellie sie unbarmherzig aus ihrer Illusion, »ich mein’, Sie reichen lang’ nicht aus.«

Ilse sah die Freundin zweifelnd an. »Du scherzest,« meinte sie, »zwölf Mark ist doch furchtbar viel Geld?«

»Reicht lang nicht!« wiederholte Nellie unerbittlich, »hör zu, ich will dir vorrechnen:

1) Ein Nähtischdecken für Fräulein Raimar macht vier Mark,
2) ein Arbeitstaschen für Fräulein Güssow macht drei Mark,
3) eine schöne Geschenk für die liebe Nellie und all die andren junge Fräulein – macht – sehr viele Mark.

Wo willst du Geld zu der Puppen nehmen?«