Und siehe da, es fand sich allerhand unter Ilses alten Sachen. Schürzen, die sie nicht mehr trug, ein Kleid, das ihr zu eng und zu kurz geworden war, und zuletzt noch das vorjährige Pelzzeug, welches die gütigen Eltern durch neues, weit kostbareres ersetzt hatten.

»Siehst du, Verschwender!« triumphierte Nellie. »Du weißt nicht deine große Schatze. Nun kaufen wir für dein’ Kutscher ein Paar warme Handschuh und fertig ist die ganze Kutschergesellschaft.«

Die wenigen Wochen bis zum heiligen Abend vergingen in rasender Schnelle. Nellie und Ilse hatten neben so mancherlei andern Arbeiten auch noch die neue Puppe anzukleiden. Das war für Ilse eine schwere Aufgabe, und ohne ihre geschickte Freundin wäre sie niemals damit zu stande gekommen.

»Wie geschickt du bist, Nellie,« sagte Ilse, als diese der Puppe das schottische Kleid anprobierte, »das hast du doch geradezu klassisch gemacht. Ich hätte es wirklich nicht fertig gebracht.«

»Aber hast du niemals ein Kleid für dein’ Puppen genäht – oder eine Hut – oder ein Mantel?«

»Nein,« antwortete Ilse aufrichtig, »niemals! Ich habe an den toten Dingern mein Lebtag keine Freude gehabt. Viel lieber habe ich mit den Hunden gespielt.«

»Da ist kein Wunder, wenn du ein klein’, dumm’ Ding geblieben bist! Deine Hunde brauchen kein Kleid,« lachte Nellie. »Nun mußt du auf dein’ alt’ Tage nähen lernen, siehst du.«

Ilse lachte fröhlich mit und bemühte sich, das weiße Batistschürzchen für die Puppe, an welchem sie rings herum Spitzen setzte, recht sauber und nett fertig zu bringen. – Einen Tag vor der Bescherung erhielten die erwachsenen Mädchen, denen es Vergnügen machte, die Erlaubnis, die schöne, große Tanne auszuputzen. Das war ein Fest und für Ilse ganz und gar neu. Niemals hatte sie sich bis dahin selbst damit befaßt, und sie kannte es nicht anders, als daß am Weihnachtsabend ein mit vielem kostbaren Zuckerwerk behangener Baum ihr hell entgegengestrahlt hatte, – hier lernte sie kennen, daß auch ohne Zuckerwerk derselbe herrlich zu schmücken war.

Nach dem Abendbrot, als die jüngeren Mädchen und auch die Engländerinnen, die kein Verständnis für das harm[pg 124]lose Vergnügen hatten, zu Bett gegangen waren, begann das Werk.

Orla brachte einen großen Korb mit Tannenzapfen, selbst gesucht auf den Spaziergängen im Walde, und setzte denselben auf die Tafel. Annemie stellte zwei Schälchen mit Gummiarabikum daneben, in das eine schüttete sie Silber-, in das andre Goldpuder und rührte es mit einem Stäbchen um.