5

Oft tut auch der Unrecht, der nichts tut, nicht bloß, der etwas tut.

6

Wenn du gesundes Urteil hast und die Gewohnheit, für andere zu handeln, und ein Gemüt, das mit den äußeren Verhältnissen zufrieden ist, so hast du genug.

7

Unterdrücke die bloße Einbildung, trenne den Trieb, dämpfe die Begierde; erhalte dem herrschenden Teil deiner Seele die Herrschaft über sich selbst!

8

Wie es nur eine Erde gibt für alles Irdische, ein Licht für alles, was sehen, und eine Luft für alles, was atmen kann, so ist es auch nur ein Geist, der unter sämtliche Vernunftwesen verteilt ist.

9

Alle Dinge von derselben Art streben zueinander als zu dem Gleichartigen hin. Alles, was von Erde ist, gleitet zur Erde, alles Flüssige läuft zusammen, und so auch das Luftige, so daß es der Gewalt bedarf um solche Dinge auseinanderzuhalten. Das Feuer hat zwar seinen Zug nach oben, vermöge des Elementarfeuers, aber auch da erfaßt es alles ihm Ähnliche und bringt die trockeneren Stoffe zum Brennen, eben weil diesen weniger von dem beigemischt ist, was ein Entflammen hindert. Ebenso nun und noch mehr strebt auch alles, was der vernünftigen Natur angehört, zueinander hin. Denn je edler es ist als das übrige, um so bereiter ist es auch, sich dem Verwandten zu einen und mit ihm zusammenzugehen. Schon auf der Stufe der vernunftlosen Wesen finden sich Scharen und Herden, findet sich das Auffüttern der Jungen, eine Art von Liebe. Denn schon hier ist Seele und jener Gemeinschaftstrieb in höherer Weise, als er in der Pflanzenwelt und im Gestein sich findet. Bei den Vernunftbegabten nun kommt es zu Staaten, Freundschaften, Familien, Genossenschaften, und in den Kriegen selbst zu Bündnissen und Waffenstillständen. Und wenn wir zu den noch höheren Wesen fortschreiten, mögen sie auch um Unendlichsten auseinander sein: auch da ist Einheit, wie bei den Sternen; so daß, je höher wir kommen, desto entschiedener die Sympathie sich auch auf die Entferntesten erstreckt. Aber was geschieht? Die vernünftigen Wesen allein sind es, die dieses Zueinanderstrebens, dieses Zusammenhaltens nicht eingedenk bleiben, und hier allein vermag man jenes Zusammenfließen nicht wahrzunehmen! Und dennoch — ­: mögen sie sich immerhin fliehen, sie umschließen sich doch. Die Natur zwingt sie. Man sehe nur genau! Eher findest du Erde, die nicht an Erde hängt, als einen Menschen vom Menschen abgelöst.