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Verlust ist nichts anderes als Veränderung, die die Natur so liebt, wie wir wissen, — ­sie, die doch alles richtig macht. Oder wolltest du sagen, alles, was geschehen sei oder geschehen werde, sei schlecht? Aber sollte sich dann unter so vielen Göttern nicht wenigstens eine Macht finden, die es wieder zurechtbrächte? und die Welt sollte verdammt sein, in den Banden unaufhörlicher Übel zu liegen?

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Der Stoff jeden Dinges ist Fäulnis: Wasser, Staub, Knochen, Schmutz. Die Marmorbrüche sind Verhärtungen der Erde, Gold, Silber ihr Bodensatz, unsere Kleider — ­Tierhaare, Purpur, Blut und alles übrige ist von der Art. Selbst der Lebensgeist ist von solcher Art, denn er ist auch steter Umwandlung unterworfen.

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Genug des elenden Lebens, des Murrens und des äffischen Benehmens! Warum bist du unruhig, was findest du hier so unerhört? Was bringt dich außer Fassung? Die ursächliche Kraft der Dinge? Betrachte sie nur! Aber vielleicht der Stoff? Sieh ihn nur an! Sonst gibt es aber nichts. Sei also doch endlich argloser und freundlicher gegen die Götter! Es ist ja einerlei, ob du diese Untersuchungen hundert oder nur drei Jahre anstellst.

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Hat sich jemand vergangen, trägt er den Schaden. Vielleicht hat er sich aber gar nicht vergangen.

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Entweder ist ein denkendes Wesen die Urquelle des ganzen Weltalls, von der aus dem All als einem Körper alles zuströmt. Dann darf sich der Teil über das, was zum Nutzen des Ganzen geschieht, nicht beklagen, Oder das All ist ein Gewirr von Atomen, zufällig gemischt und zufällig getrennt. Wozu dann deine Unruhe? Sprich nur zu deiner Vernunft: “Du bist tot, schon in Verwesung und wie ein Tier, das auf die Weide geht und seinen Hunger stillt.”