[115] S. „Abend“.

[116] S. „ausstehlen“.

[117] Über das fem. Romane s. Näh. im W.-B. unter „Frau“.

[118] An einer anderen Stelle der „Einleitung“ hatte der Verf. auch die heute in der „jenischen Sprache“ veraltete Vokabel tschi = ja (vgl. übereinstimmend u. a. schm. Dolm. der Gaunerspr. 94, W.-B. des Konst. Hans 255, 256 [t’schi] u. Pfulld. J.-W.-B. 349) in Beziehung gesetzt zu dem zigeun. Ausdruck tschi = nicht(s) (nein) (vgl. Pott I, S. 274, 323; Liebich, S. 164, 225 [tsi, tschi = nicht, nichts]; Miklosich, Beiträge l/II, S. 26 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 189 [či = nicht(s)]; Finck, S. 91 [tši = nicht]), das auch in die schwäbische Händlersprache eingedrungen ist (s. U. [214]: tschi = nein). Danach würde es sich dann hierbei um einen — bes. merkwürdigen — Fall der sog. Enantiosemie, d. h. der Umkehrung der Bedeutung in das gerade Gegenteil (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 20, 21, Anm. 14) handeln. Es dürfte jedoch richtiger sein, mit Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 das italienische si (dial. ši [spr. schi]) = „ja“ (das auch in deutsche Mundarten eingedrungen ist [vgl. Lexer, Kärnt. W.-B., Leipz. 1867, S. 216: schi = ja]) als die Quelle zu vermuten.

[119] a) Über die Analogie in der Zigeunerspr. (mulo mass, eigtl. „totes Fleisch“ [s. Liebich, S. 147, 171]) vgl. schon „Vorbemerkung“, [S. 18], [Anm. 47]. Das Adj. mufig od. muffich = stinkend gehört zu dem Zeitw. muffen = riechen („schmecken“), stinken; vgl. auch die Verbdgn. dof muffen (eigtl. „gut riechen“) = duften u. Toberich muffen (eigtl. „Tabak riechen“) = schnupfen (vgl. „Pfeife“). Eine Zusammensetzg. mit dem Stamme (muff-) des Zeitworts ist Muffkenem = Wanze (eigtl. „Stinklaus“; vgl. über Analogie im Zig. „Vorbemerkg.“, [S. 18], [Anm. 47] u. Näh. unter „Wanze“ bezw. „Filzlaus“). Als Subst. gebraucht ist Muffen = Geruch. Weitere Ableitungen sind: Muffer (eigtl. „Riecher“) = Nase (vgl. dazu Mufferhorboge, eigtl. „Nasenkuh“ = Nashorn [s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.; vgl. auch schon „Vorbemerkg.“ [S. 18]]) und Mufferei = Gestank, Witterung (daher: begerische Mufferei = Totengeruch; vgl. Näh. unter „absterben“). Ein Zeitw. vermuf(f)en setzt voraus das Partizip vermuft, eigtl. = verfault, dann (im übertragenen Sinne) = arm (ärmlich, armselig), heruntergekommen, bankerott, auch als Subst. gebraucht für Armut, Bedrängnis, Konkurs. Zu vgl. (aus dem bes. verwandten Quellenkreise): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Muffer = Nase); Schöll 271, 272 (muffen = riechen, Muffer = Nase); Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 342, 343 (muffen = riechen, Muffer = Nase); Schwäb. Händlerspr. 479, 488 (Muffer = Nase, vermuft = bankerott, in Pfedelb. [210, 212] auch: muffen = riechen und Muffert = Mist, in Lütz. [215]: muffen = riechen, vermuffen = im Spiel verlieren u. Muffnagel = Zigarre, in Degg. [215]: Mufferling = = Schnupftabak). Zur Etymologie (von dem deutsch., mundartl. weit verbreiteten Zeitw. muffen = „übel, insbes. nach Moder oder Fäulnis riechen“ bezw. d. Adj. muffig od. mufficht) s. Pott II, S. 18 u. A.-L. 576 vbd. mit Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 2625 und Sp. 2623 (unter „Muff“, I, Nr. 3), Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1573 ff. u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1784; vgl. auch Weigand, W.-B. II, Sp. 326.

b) Bossert = Fleisch (auch speziell „Wellfleisch“), Braten, erscheint sehr beliebt in allerlei Zusammensetzgn. (oder Verbindgn.) und zwar bes.: α) ans Ende gesetzt, so: aa) für die Fleischarten nach den verschiedenen Tieren, wie: Babingbossert = Gänsefleisch (gesicherter Strohbutzerbossert = Gänsebraten), Kibe(n)bossert = Hundefleisch, Stupflengbossert = Igelfleisch, Schmalerbossert = Katzenfleisch, Horbogebossert = Kuh- oder Rindfleisch, Hornikelbossert = Ochsenfleisch, Trabertbossert = Pferdefleisch, Groenikelsbossert = Schweinefleisch; ferner bb) für die Art der Zubereitung: eingespronktes Bossert = Pökelfleisch, Hitzlingbossert = Rauchfleisch, Spronkertbossert = Salzfleisch, Schwäzlingbossert = Schinken, Schmunkbossert = Speck, Rondlingbossert = Wurstfleisch; cc) für menschl. Körperteile: Näpflingbossert = Zahnfleisch; dd) auch im übertragenen Sinne: Koelebossert = „Teufelsbraten“; β) am Anfang der Zusammensetzg. stehend; aa) für Gerätschaften, wie Bossertschottel = Fleischbüchse, Bossertnolle = Fleischhafen; bb) für gewisse Speisen: Bossertblättling = Gulasch (eigtl. „Fleischsalat“), Bosserträsling = Leberkäse; cc) Bossertschei, d. h. eigtl. „Fleischtag“ = Sonntag (s. d. betr. die Übereinstimmung mit d. Zigeunerischen, vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 18]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): Dolm. der Gaunerspr. 92, 99 (Boser = Fleisch, Speck); Pfulld. J.-W. B. 339, 340, 341 (Bosert = Fleisch, Schwarzbosert = geräuchertes Fleisch, B. von einem Horboge = Kalbfleisch); Schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 69, 75 (Bossert = Fleisch, Schmunkbossert = Speck); Schwäb. Händlerspr. 480 (Bosset, Bôser od. Bôßert = Fleisch; dazu noch in Pfedelb. [209, 213] bes. Graunikels-, Hobuchen-, Trappertbossert = Schweine-, Kuh-, Pferdefleisch u. Schmunkbossert = Speck sowie in Lütz. [213]: Flūse-bosert = Ente). Zur Etymologie (vom hebr. bâsâr, jüd. bôsôr = „Fleisch“) sowie über weitere Belege im Rotw. (seit d. 15. Jahrh.) s. Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 10 u. Anm. 2; vgl. auch Weber-Günther, S. 154 u. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1316.

c) Mass (im wesentl. gleichbed. mit Bossert gebraucht) erscheint nicht ganz so beliebt in Zusammensetzgn., doch findet es sich z. B. (am Ende) in verschiedenen Bezeichnungen von Fleischarten nach Tieren, wie Babingmass = Gänsefleisch (gesicherter B. = Gänsebraten), Tschuggel-, Stupfleng-, Horboge-, Trabertmoss = Hunde-, Igel-, Kuh-, Pferdefleisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise); Dolm. der Gaunerspr. 92, 99 (Mas = Fleisch, Speck); W.-B. des Konst. Hans 245 (Mass); Pfulld. J.-W.-B. (nur in gewiss. Zusammensetzgn., z. B. [343] Horboge-Maß = Ochsenfleisch); Schwäb. Händlerspr. 480 (Maß; Maßfetzer = Metzger; in Pfedelb. [214]: Mast = Wurst). Vgl. auch Metzer Jenisch 216 (Mās = Fleisch). Zur Etymologie: Am wahrscheinlichsten ist es, daß das Wort ins Rotwelsch und die verw. Geheimsprachen unmittelbar aus der Zigeunersprache eingedrungen ist (vgl. „Einleitg.“ [S. 30]), welche mas od. (in Deutschl.) mass (schon altind. māsa) in gleicher Bedeutung kennt (s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 257 unter „Masengero“ und dazu noch Finck, S. 72); doch mag auch das tschechische, ebenfalls gleichbed. maso mit eingewirkt haben. Über das (auf die gleiche indogerm. Wurzel zurückgehende) früher gemein-germanische, jetzt im wesentl. veraltete Mass = „Speise“ („zugemessene, ausgeteilte Kost für die Hausgenossen“, schon ahd. u. mhd. maz [vgl. Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 2063], got. mats, angels. mete, engl. meat) s. Näh. bes. bei Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 1721; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1517 (unter „Mass“ II, Nr. 1 u. 2).

[120] Das Zeitw. näpfen bedeutet: beißen, kauen, nagen (daher abnäpfen auch = abnagen), auch jucken. Weitere Zusammensetzgn. damit sind (außer abnäpfen) noch ausnäpfen = ausbeißen und wegnäpfen = wegnagen, Ableitungen davon: das Adj. näpfich (-ig) = bissig (beißend), krätzig, räudig (vgl. die Verbdg. näpfiger Schund [eigtl. „beißender Dreck“] = Kalk [s. d. betr. Übereinstmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch „Vorbemerkg.“ [S. 17]]) u. das Subst. Näpfling = Zahn, Gebiß (vgl. die Zus. Ober- und Vordernäpfling = Ober- und Vorderzahn sowie Näpflingsins = Zahnarzt u. Näpflingbossert = Zahnfleisch). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): nur Schwäb. Händlerspr. 479 (näpfen = beißen, in Pfedelb. [209] = coire, in Lütz. [215]: Näpfling = Zahn). Die Etymologie bleibt unklar. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV., Sp. 1941 hat näpfen = beißen nicht bestimmt erklärt. Über die Bedeutg. coire s. ebds. vbd. mit Sp. 1914 unter „naffze(n)“ u. „Naffke“ (wozu zu vgl. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 233).

[121] Das Zeitw. dalfen bedeutet: betteln (begehren, fordern). Weitere Zus. damit: andalfen = anbetteln; Ableitungen davon: Dalfer = Bettler u. Dalferei = Bettelei. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (talfnen = betteln); Schöll 273 (Talfer od. Talcher = Bettler); Pfulld. J.-W.-B. 336, 337, 338, 340 (dalven = abbetteln, dalfen = betteln, ausdalfen = ausbetteln, Dalver = Armer, Dalfer [Dalcher] = Bettler, Talfkunde = Handwerksbursche); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 68 (dalfen = betteln, Kaff abdalfen = Dorf abbetteln, Dalfianus = Bettler); Schwäb. Händlerspr. 480 (dalfen = betteln). Zur Etymologie (wohl vom hebr. dal = „arm“) sowie über sonstige Belege im Rotw. s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 9 (unter „Talfkunde“) vbd. mit Bd. 33, S. 241/42, Anm. 1. Nach Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 39 ist der Ursprung des Wortes „unklar“.

[122] Das Zeitw. derchen erscheint im wes. als Synon. zu dalfen (Bedeutg. also bes.: betteln, ferner begehren, bitten (daher abderche auch = abbitten), [er]flehen, fordern, verlangen); vgl. dazu die Verbindg. derchter Lehm = Bettelbrot (wörtl. „gebetteltes Brot“). Weitere Zusammensetzungen: anderchen = anbetteln, auch wohl bederchen = bedanken, danken. Ableitungen: die Subst. Dercher = Bettler (fem.: -ere) u. Dercherei = Bettelei (auch Gesuch) u. das Adj. dercherich = dürftig (ärmlich, bettelhaft), verarmt, das auch als Subst. gebraucht wird (Dercherich = Mangel, Not). Beliebt sind allerlei Zus. mit Dercher, so: Dercherbich (eigtl. = Bettelgeld, dann) = Almosen (s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.), Dercherulma = arme Leute (Bettelleute), Dercherkritzler = Bettelbrief, Dercherfiesel, -kaffer, -model, -moss = Bettelbube, -mann, -mädchen, -frau, Dercherrande, -stenz = Bettelsack, -stab. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90, 93 (därgen = betteln, Daerge-stozem = Handwerksbursche); (Pfulld. J.-W.-B. 338 (türchen); Schwäb. Händlerspr. 479 (derchen, in Pfedelb. [213] auch: Dercherkitt = Bettelhaus). Die Etymologie ist unsicher (vielleicht zu hebr. dereq, jüd. derech = „Straße, Weg“, jedoch ev. mit Einfluß deutscher Wörter); s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 284/5 u. Anm. 2 u. 3 (unter „Derfen-Schin“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W. B. II, Sp. 74 u. 159 (unter „därgen“ und „derchen“).