[350] S. anmutig.
[351] Diese Vokabel setzt ein Zeitw. verfinkeln = behexen voraus, das aber im Vokabular nicht angeführt ist, ebenso wie ein einfaches finkeln (im Rotw. für „kochen [sieden, braten]“ usw. bekannt) fehlt, während als Ableitungen von letzterem die Subst. Finkler = Zauberer, Schwarzkünstler, Finklere = Zauberin, Finklerei = Hexerei, Zauberei u. als Zus. mit dessen Stamm finkel-: Finkelmoss = Hexe, Finkelkaffer = Hexenmeister u. Finkelkitt = Hexenhaus erscheinen. Über das — gleichfalls zu diesem Zeitw. gehörige — Subst. Gefinkelter = Branntwein s. Näh. unter diesem Ausdr. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 270 (Fenkel Caspar = Betrug mit Hexerei); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Fingelschize = Hexe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Finkelmos = Hexe); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210]: Finkelmoß = Hexe, Finkelschütz = Hexenmeister). — Das einfache Finckel = Hexe kannte die Scharfrichtersprache v. 1813 (308). Zur Etymologie: Den Übergang von der Bedeutg. des — zu dem Stammwort Funk u. ähnl. = Feuer (vgl. Bd. 63 [S. 35] u. [Anm. 125]) gehörenden — Zeitw. finkeln od. fünkeln = kochen usw. (s. schon Lib. Vagat [53]: fünckeln = sieden od. braten u. dann öfter) zu den Begriffen Finklerei = Hexerei, Finklere od. Finkelmoss = Hexe usw. haben höchstwahrscheinlich Ausdrücke wie „Teufelsbraten“ u. „Hexenküche“ (u. überhaupt die Vorstellung von dem Zubereiten [Kochen] von allerlei Zaubertränken durch die Hexen) vermittelt; s. dazu Pott II, S. 34; vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 350 (unter „Fingelmusch“).
[352] S. Axt.
[353] Buxa (-e), plur. Buxen = Beinkleid, Hose kommt auch vor in Zus., nämlich Buxeschmelzer = Feigling (vgl. dazu schon Bd. 63, [S. 132], [Anm. 293] zu „austreten [schwer]“) u. Buxerande = Hosensack. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Buchsen = Hosen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Buxen = Hosen); Schwäb. Händlerspr. 482 (ganz ebenso). S. auch Pleißlen der Killertaler 434 (Form: ebenso, Bedtg.: auch Unterhosen) u. Regensburg. Rotw. 490 (Buxen = Hose). Etymologie: Es handelt sich um ein schon früh (17. Jahrh.) ins Rotwelsch — auch in Süddeutschl. — eingedrungenes niederd. Wort. S. Pott II, S. 17 u. Günther, Rotwelsch, S. 51 vbd. mit Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl.), S. 81; vgl. auch Fischer, Schwab. W.-B. I, Sp. 1495 (unter „Buchse[e]“).
[354] Mit Kopel (plur. Kopla) = Beinkleid, Hose zusammengesetzt ist nur Kopelrande (= Buxerande). In dem verw. Quellenkr. ist der Ausdr. unbekannt. Der Etymologie nach handelt es sich zwar wahrscheinlich um ein Zigeunerwort (s. „Einleitung“ [S. 30]), jedoch müßte bei seiner Aufnahme ins Jenische eine Umstellung (Transposition) der Buchstaben der letzten Silbe stattgefunden haben, da es im Zigeunerischen — nach Jühling, S. 221 — Cholep lautet (s. ebds. S. 228: früher dafür auch Chochlep). Vgl. ferner Pott II, S. 163, 170 (unter „Chólov“); Liebich, S. 130, 182, 211 (chōlib od. chóleb = Beinkleid, Hose); Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 222 (unter „cholov“: bei den deutsch. Zig.: cholib); Finck, S. 69 (xóliw od. xóluw = „Hose“). In dieser Form ist die Vokabel vereinzelt wohl auch ins Rotwelsch eingedrungen (vgl. z. B. v. Grolman 39 u. T.-G. 102 [Kollew od. Kollet = Hosen] u. Karmayer, G.-D. 206 [ebenso]).
[355] Lubne hat im W.-B. auch die Bedeutgn.: Hure (Dirne [Buhldirne], Freudenmädchen), Ehebrecherin, Kebsweib (Mätresse). Dazu die Zus. Lubnebenk = „Hurenkerl“ und die Ableitg.: lubnen = „huren“. In dem verw. Quellenkr. ist das Wort unbekannt, dagegen ist es sonst im Rotw., wenngleich selten, anzutreffen. S. darüber sowie über die Etymologie (aus der Zigeunersprache [vgl. „Einleitung“, [S. 30]]) d. näh. Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 256/57 u. „Anthropophyteia“, Bd. VIII, S. 19 (vgl. auch Bd. IX, S. 26) u. dazu noch Finck, S. 71 (zig. lúbni [-li, -lin] = „Hure“); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1311 (unter „Lubegane“). Nach Miklosich, Beitr. I/II, S. 32 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 7 geht das Zigeunerwort auf das altind. lubh = „verlangen, begierig sein“ zurück.
[356] Über schofel s. unter „arg“. — Schof(e)le Model (auch Schoflemodel) ist im W.-B. auch noch durch „Dirne“, „Freudenmädchen“ u. „Hure“ wiedergegeben. Mit Model = Mädchen (Frauensperson, Frauenzimmer), auch Braut, Schwester und Tochter (dazu d. Dimin. Mödele = junges [kleines] Mädchen) sind noch gebildet: a) die Verbindgn.: dofe Model = Geliebte (Liebhaberin, Liebste [wogegen dufte Model nur allgemeiner ein „brauchbares Mädchen“ bedeuten soll]) u. jenische Model = „fahrendes Mädchen“; b) mehrere Zusammensetzgn., näml. α) am Anfang: Modelgalm = Tochterkind, Modelkaffer = Tochtermann (Schwiegersohn), Modelfiesel = Tochtersohn; β) am Ende (bes. für Stände u. Berufe [vgl. „Vorbemerkung“, [S. 12], [Anm. 29]]): Derchermodel = Bettelmädchen, Sinsemodel = Fräulein, Verkemeresmodel = Handelsmädchen, Galma- od. Schrabinermodel = Kindermädchen, Fehtemodel = Quartiermädchen, Jerusalemsfreundmodel = Schäferin, Schmelemermodel = Zigeunermädchen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 342 (Model = Mädchen); Schwäb. Händlerspr. 481, 483 (Môdel = Mädchen, Frau [in Pfedelb. (209): auch Fräulein u. Tochter]). Über die Belege im sonst. Rotwelsch usw. sowie die (nicht ganz sichere) Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 344 ff.; vgl. auch „Anthropophyteia“, Bd. IX, S. 27 sowie Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1725 (nach dem Model „vielleicht einfach“ aus „Modell“ entstanden ist).
[357] S. abbeißen.
[358] S. ankleiden.
[359] Bestieben heißt auch noch spezieller: erwischen od. fangen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 90, 92 (bestieben = bekommen, bestiebt werden = arretiert od. erwischt werden); W.-B. des Konst. Hans 256, 257 ff. (bestieben [Partiz.: bestiebt] = bekommen); Schöll 272 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338, 339 (bestieben = bekommen, ertappen, fangen); Schwäb. Händlerspr. 479 (auch Lütz. [214]: besti[e]be[n] = bekommen [in Pfedelb. (209, 210, 212) auch = ertappen, fangen, geben u. schenken; in Eningen (S. 206, Anm. 1): stieben = geben u. die merkwürd. Subst. Beistieber(in) = Knecht, Magd u. Käppelesstieber = Pfarrer (zu Käppele = Kirche [vgl. Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 349]), wozu vielleicht stieben = laufen im Pleißlen der Killertaler 436 herangezogen werden dürfte]). Die Etymologie bleibt unsicher. A.-L. 524 hat das Wort zu dem gemeinspr. „stöbern“ gestellt, Stumme, S. 19 denkt an einen Zusammenhang mit „stibitzen“ (wofür bestieben = bestehlen im Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [226] sprechen würde) od. auch an das latein. stipare = stopfen („in die Tasche stopfen?“), Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 941 (zu „bestieben“, Nr. 2) bemerkt nur negativ: „vielleicht ein anderes Wort“ als „bestäuben“.