[490] Hornikel od. Hornigel = Ochse (Bulle, Stier) findet sich in den folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Schmunkhornikel = Mastochse; b) am Ende: Hornikelschmunk = Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstmmg. mit d. Zigeun.), Hornikelbossert = Ochsenfleisch, Hornikelgielblättling = Ochsenmaulsalat, Hornikelkafler = Ochsenmetzger, Hornikelstenkert = Ochsenstall. In dem spez. verw. Quellenkr. ist der Ausdr. m. W. unbekannt, dagegen findet er sich im Metzer Jenisch 216 (in der Form Hornigl für „Kuh“) sowie auch schon im ältern Rotwelsch für „Ochse“ oder „Kuh“ (s. z. B. Schwenter 1620 [137: Hornnickl = Ochsen]; bei A. Hempel 1687 [167: Hornickel = Kuh) u. a. m.). Zur Etymologie (wohl von Horn u. Nickel, Kurzform von Nikolaus, also e. Art. Personifizierung des Tiers durch e. menschl. Eigennamen) s. Günther, Rotwelsch, S. 80; vgl. auch Pott II, S. 11 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 850 (betr. das analog gebildete Gronickel = Schwein, worüber Näh. auch noch unten unter „Eber“).
[491] Kritsch = Bürgermeister (Ortsvorsteher, Schultheiß, Ratsherr) ist schon dem Dolm. der Gaunerspr. 98, 101 bekannt gewesen (Kritsch = Schulz, Vogt; vgl. [89]: Krisch = Ammann [sic]); vgl. ferner: Pfulld. J.-W.-B. 346 (Gritsch = Vogt) u. Schwäb. Händlerspr. 486 (Kritsch = Schultheiß). Die Etymologie ist zweifelhaft. Von Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 770 (unter „Kritsch“ II) ist das zigeun. krísni = „Amt, Gericht“ (s. Finck, S. 66; vgl. auch Pott II, S. 123 [unter „Krisni“]; Liebich, S. 138, 174 u. 202 [grisni = Gericht, Amt]; Jühling, S. 222 [Grissni = Gericht]) herangezogen worden.
[492] Schar(r)le (Synon. zu Kritsch) kommt in dieser Form und Bedeutung im Dolm. der Gaunerspr. noch nicht vor, vielmehr findet sich hier (93) nur das längere Grandscharle für „Hatschier“, das früher auch in Wittichs Jenisch gebräuchlich gewesene (vgl. „Einleitung“, [S. 28]), dagegen hat schon das W.-B. des Konst. Hans neben Grandscharle = Hatschier (so: 257, in den „Schmusereyen“) auch noch Scharle = Schultheiß, Dorfvogt (so: 254, im Vokabular), und ebenso führt das Pfulld. J.-W.-B. beide Vokabeln auf (s. 339: Granscharle = Gardist; 346: Scharle = Vogt). Die neueren schwäb. Quellen kennen dagegen nur noch die letztere Form; s. Schwäb. Gaun. u. Kundenspr. 74 u. Schwäb. Händlerspr. 486 (Scharle od. Schârle = Schultheiß). Etymologie: Die Herkunft des Wortes Schar(r)le (auch in Grandscharle) bleibt unsicher; auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790 (unter „Grandscharle“) hat keine Erklärung gegeben. Über Hypothesen s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 347 (unter „Scha[a]rbin[c]k“); ebends. (in Anm. 2) auch noch weitere rotw. Belege für Scha(a)r(r)le u. Gran(d)schar(r)le.
[493] S. (betr. jenisch) Bachstelze, (betr. Benges od. Benk) brauchbarer Bursche u. (betr. (Fi[e]sel) Bettelbube.
[494] Stiepa (plur. Stiebe [Spr.]) = Bürste (Kehrbesen [Besen]) — u. dazu die Zus. Stiepenpflanzer = Bürstenbinder (Spr.) — ist dem verw. Quellenkr. sowie auch sonst im Rotw. m. Wiss. nicht bekannt. Der Etymologie nach dürfte es wohl zu unserm gemeinsprachl. „stieben“ bezw. „stäuben“ gestellt werden (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 955: stäuben, [eigtl.] „stieben machen, Staub erregen; aber auch in denselben Bedeutgn. wie stauben“, d. h. „Staub von sich geben, Staub erregen, Staub entfernen [in abstauben]“; vgl. Sp. 970 unter „stieben“).
[495] In Rutscherschure (sonst m. Wiss. nirgends bekannt) gehört der erste Bestandteil natürlich zu unserem Zeitw. rutschen (= „sich gleitend bewegen“); vgl. Näh. bei Weigand, W.-B. II, Sp. 630. — Betr. Schure s. d. folgde. Anm.
[496] S. abbiegen.
[497] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.
[498] S. Amtsdiener.
[499] S. angenehm und Bratkartoffeln; vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 19], [Anm. 49].