früherBedeutungheute dafür (meistens)
abgeholcht[62]fortgegangenschiebes[63]
BaiserWirtBeizer[64]
Bomm[65]die Schweizheute unbekannt
Fehma[66]die HändeGrifleng[67]
holchen[68]kommenbosten[69]
Jamm[70]TagSchei[71]
mich kohlert[72]mich hungertmich bickert(’s)[73]
Mahlbosch[74]RockMalfes[74]
malochen[75]fortgehen, gehenschiebes bosten[76]
Mogumle[77]StadtSteinhäufle[78]
Mokem[77]StadtMochum (aber auch = Dorf)[77]
Palar[79]DorfG’fahr[80]
Schofelkitt[81]ZuchthausDofes, Lek[82]
schornen[83]stehlenschoren[83]
Schücksel[84]MädchenModel[85]
zopfen[86]stehlenschniffen[87]

Die ältere Zusammensetzung Gefinkelterjohle = Branntwein[88] ist heute in zwei Wörter getrennt worden: Gefinkelter und Johle, indem man unter ersterem den Branntwein, unter letzterem den Wein versteht[89]. Grandscharrle (= „Hatschier“) wurde früher (bei den jenischen Leuten) eine Art Landjäger (Gendarm) genannt[90]. Sowohl „Hatschier“ wie das jenische Grandscharrle sind jetzt nicht mehr gebräuchlich, aber ohne Zweifel stammt von letzterem das heutige kürzere jenische Scharrle für „Schultheiß“ (Bürgermeister) her[90]. Kochem, früher so viel wie der Gauner, Dieb, bedeutet jetzt nur „schlau, gescheit“ (z. B. kochemer Kaffer = ein gescheiter, kein dummer Mann, sei kochem = sei gescheit usw.)[91]. Zwiss = zwei war früher das einzige Zahlwort in unserem Jenisch[92], heute ist überhaupt keines mehr bekannt. Über das jetzt gleichfalls veraltete tschi = ja s. das Nähere noch unten [S. 31], [Anm. 118].

IV. Verzeichnis der jenischen Wörter, die aus der Zigeunersprache stammen.[93]

jenischBedeutungzigeunerisch[94]
BabingGansBabi[95]
BaloSchweinBali[96]
BellelKropfBälel[95]
BetMark (Geldstück)Beti[95]
bleisgerenbezahlenbleisern[97]
BochdamLeinwand, TuchPochtann[98]
BogeiaFischbeinGogeia (d. h. Knochen, Bein)[95]
Bog(g)eloHungerBock, Bockelo[99]
butschefragenputsche[100]
DiboldeJudenBipolte[95]
DoberAxtTower[95]
DoberleBeilzu Tower[101]
FeneterFensterFenetra[95]
Fu(h)lKot (menschl.od. tierische Exkremente)Ful[102]
FurschetGabelForschreta[95]
GachneHuhnKachni[103]
Garo,Gari penisGar[104]
GascheMenschen, LeuteGatsche[105]
GascheleKinder (eigtl. „kleine Leute“)zu Gatschen[105]
GibFrucht, GetreideGib[95]
GirallKäseGirall[95]
GlitschinSchlüsselGliten[106]
JakLichtJag (= Feuer)[95]
kahlaessenchala[107]
KatscheteBranntweinChatscherti[95]
KopelHoseCholep[108]
Kuietebes. Viehpulver, aber auch Pulver überhaupt, z. B. SchießpulverChuerti[109]
LobeGeldLowe[110]
Loli, LoloGendarmvgl. lolo (d. h. rot)[95]
LomelMesserklingeLommla[111]
LubneDirne (= Hure)Lubni[112]
mangabettelnmanga[95]
MaroBrotMaro[95]
MassFleischMass[113]
MatreleKartoffelnMaträli[114]
MatscheFischMatscho[95]
naschenfliehen, gehennascha[95]
RatBlutRatt[95]
RatteNachtRati[115]
RomaneFrauRomni[95]
schorenstehlenvgl. Tschoraben, d. h. das Stehlen[116]
Sende(die) ZigeunerSinte (sing. Sinto)[95]
TschaiMädchenTschai (Tochter, Mädchen)[95]
tschanenfliehen, gehen (auch kommen)tschantamenge[95]
TschuggelHundTschukel[95]
TschureMesserTschuri[95]

Besondere Bemerkungen (Wittichs) zu einzelnen dieser Vokabeln: In der Zigeunersprache bedeutet lolo rot, der Rote, im Jenischen wird mit Loli oder Lolo der Gendarm bezeichnet, wahrscheinlich nach den früheren roten Aufschlägen der Landjäger. Gaschele = Kinder (d. h. eigentl. „kleine Leute“) im Jenischen ist abzuleiten vom zigeun. Gatsche, sing. Gatscho, der Nichtzigeuner, Mann, Bauer, im Gegensatze zum zigeun. Rom, der Mann überhaupt[117], und Sinto, der Zigeuner. Tschai ist der jenische Ausdruck für jedes Mädchen (einerlei ob Stadtfräulein, Kellnerin oder Bauernmädchen) sowie auch für die Geliebte, während damit im Zigeunerischen nur ein Zigeunermädchen (Tochter) oder eine Zigeunerfrau (Gattin) niemals aber eine Nichtzigeunerin bezeichnet wird[118].

V. Deutsch-jenisches Wörterbuch.

A.

Aas, mufiger Bossert oder mufiger Mass, d. h. stinkendes Fleisch[119]

abbeißen, abnäpfen[120]

abbetteln, abdalfen[121], abderchen[122]