Paul Seebeck trat zu Melchior heran:

»Haben Sie jetzt ordentlich gegessen?« fragte er.

»Ja, ja«, antwortete Melchior, zerstreut auf den Boden blickend. Dann schlug er die Augen auf:

»Herr Seebeck«, sagte er, »Sie sind mir noch eine Antwort schuldig.«

Paul Seebeck griff sich unwillkürlich an die Stirn; er verfolgte rückläufig die Vorgänge des Abends und kam damit auch auf Melchiors Frage.

»Überlegen Sie sich, wie viel die Menschen vergessen müssen, ehe sie reif für eine neue Gemeinschaft werden; vergessen, was sie selbst, und das, was ihre Vorfahren gelernt haben: die Masseninstinkte. Um die zu bekämpfen und zu vergessen, genügt weder die Möglichkeit, noch der Wille zur Freiheit – zwei Voraussetzungen, die bei uns glücklicherweise gegeben sind – eine große Arbeit jedes einzelnen an sich und an der Gemeinschaft ist notwendig. Unterschätzen Sie unser Vorhaben nicht; es gilt nichts weniger, als einen neuen Typus Mensch heranzuziehen, einen Typus, der eine Gemeinschaft von Individualitäten bilden kann, ohne daß diese zu einer homogenen Masse wird.«

»Sie gebrauchen dauernd das Wort: Typus im Sinne von Individuum. Ich finde das fast verdächtig.«

»Ach Gott, was ist denn dabei verdächtig?« sagte Paul Seebeck gleichmütig. »Typus – Art – was Sie wollen. Sie wissen ja, was ich meine, da spielt der Ausdruck doch keine Rolle.«

Melchior schüttelte den Kopf und zog die Augenbrauen zusammen:

»Was Sie meinen, scheint an und für sich so klar zu sein, daß ein etwas schiefer Ausdruck keine Unklarheit hereinbringen kann. Ich kann aber doch nicht anders, als gerade hinter diesem schiefen Ausdruck ein Problem zu sehen, nämlich dieses: daß Sie gar nicht den freien Menschen an sich brauchen können und entsprechend heranziehen wollen, sondern nur einen ganz bestimmten Typus des freien Menschen.«