Frau von Zeuthen trat lächelnd heran:
»Ich habe noch nie in meinem Leben ein Amt verwaltet. Vielleicht kann ich es hier. Wozu wollen Sie mich denn machen?«
»Zur Archivarin«, sagte Paul Seebeck. »Bis jetzt hat die Sekretärin, die ich mir habe geben lassen, auch das Archiv verwaltet. Aber die Arbeit wird ihr zu viel, und außerdem paßt sie nicht recht dazu.«
Gabriele dachte einen Augenblick nach; dann sagte sie:
»Ich danke Ihnen und freue mich auf diese Arbeit. Ich kann jetzt nur unklar sehen, worin sie besteht, und die Dame wird mich erst in die Einzelheiten einführen müssen. Ich stelle es mir schön vor, im stillen Zimmer zu sitzen und das unbegreiflich große und bunte Leben durch die festen Formen zu ahnen, in denen es sich grob und kalt niedergeschlagen hat.«
Paul Seebeck nickte ihr zu. Dann wandte er sich an Herrn de la Rouvière:
»Und wie denken Sie sich Ihre Zukunft hier? Wünschen Sie einen freien Beruf zu ergreifen, oder denken Sie an ein Amt?«
»Darf ich meine Zukunft nicht in Ihre Hände legen, Herr Seebeck?« antwortete der Krüppel und sah ihn treu und gut an.
»Wenn Sie mir soviel Vertrauen schenken wollen«, erwiderte Paul Seebeck und sah ihm gerade ins Gesicht.
»Aber was soll ich machen, Paul?« sagte Hedwig und ergriff einschmeichelnd seine Hand.