Als die Kredite für die in Hinblick auf die Spannung zwischen England und Deutschland notwendigen Befestigungen bewilligt wurden, war nicht viel mehr zu tun, als das Festungsgeschütz zu montieren, das zusammen mit den beiden Maschinengeschützen in der bombensicheren Kasematte im Felsen unter Seebecks Haus Platz finden sollte. Denn Hauptmann von Rochow hatte als Fachmann diese Stelle als die geeignetste gewählt, ganz abgesehen davon, daß sich nur hier die Arbeiten in völliger Heimlichkeit hatten vornehmen lassen. Ein mit Stahlplatten bedeckter Schacht führte von Paul Seebecks Kohlenkeller mehrere Meter tief hinab, und dort unten war ein Gewölbe ausgehauen, in dem die Geschütze stehen sollten.
Nur drei lange, schmale Schießscharten führten hinaus, und die lagen gerade über den Dächern der auf der nächsten Terrasse stehenden doppelten Häuserreihe, so daß diese fast mit Sicherheit die den Geschützen zugedachten Schüsse auffangen würde.
Die Seeminen hatten die Vorsteher in mehreren Nächten allein versenkt, und ihr Lageplan war in den Händen der Archivarin gut aufgehoben. Es war nicht so schwer, diese Arbeiten in voller Heimlichkeit auszuführen, als vielmehr gleichzeitig auch den Ausbau des »Vulkans« zu versehen, zum mindesten scheinbar, damit die plötzliche Arbeitseinstellung dort oben kein Mißtrauen erweckte.
Aber es ging. Die vier Männer arbeiteten mit eiserner Energie Tag und Nacht – nur vier waren sie jetzt, denn Jakob Silberland weilte in Sidney, wie es hieß, um größere Abschlüsse über den gewonnenen Schwefel zu erreichen. Und auf den riesigen Kisten, die die Geschützteile und die Munition enthielten, stand harmlos das Wort: »Maschinen«.
Sechs Wochen nach seiner Abreise kam Herr von Hahnemann wieder zur »Schildkröteninsel«. Diesmal auf einem Torpedoboot. In Paradeuniform stieg er ans Land und begab sich eine Stunde später zu Paul Seebeck. Dieser empfing ihn mit gelassener Höflichkeit und bat ihn, Platz zu nehmen. Der Offizier dankte mit einer Verbeugung, blieb aber stehen, während Paul Seebeck sich an seinen Schreibtisch setzte.
»Sie bringen mir meine Abberufung, Herr von Hahnemann?« fragte er ruhig.
»Herr Seebeck, bei der großen persönlichen Achtung, die ich für Sie hege, erlaubte ich mir, in meinem Berichte unsere letzte Unterredung wohl wahrheitsgetreu, doch – etwas harmloser zu schildern, als sie sich zugetragen hat. Es steht Ihnen noch heute frei, freiwillig das Reichskommissariat niederzulegen; trotz allem.«
»Ich tue es nicht«, antwortete Paul Seebeck und sah ihm gerade ins Gesicht.
»Ist das Ihr letztes Wort?«