In der Religion dieser Indianer existiert somit zuerst ein Kern von Wahrheit, an den sie glauben. Hierzu kommen die Abenteuer und Taten, die sie am Lagerfeuer von den Geistern erzählen und die wenigstens die Intelligenteren, die Denkenden unter ihnen, selbst als Sagen auffassen.

Diese Sagen will ich hier unten wiedergeben.

Der Begriff eines großen, allmächtigen Gottes ist den Chanés fremd. Jetzt wissen sie indessen alle direkt oder indirekt etwas vom Christentum, wodurch die Vorstellung an einen großen Gott einzudringen beginnt. Vocapoy, der kein Christ war, erzählte mir einmal, die Chanés glaubten an einen großen Gott, Tunpa.

Batirayu sagte, er glaube nicht an einen Gott, wie ihn die Christen beschreiben. Er wunderte sich, daß die Christen die Armen bedrückten und so viele Schlechtigkeiten begingen, da sie doch lehrten, daß die Sünder mit der Hölle bestraft werden. „Wie kann man wissen, wie es im Himmel aussieht, da niemand, der dort gewesen, zur Erde zurückgekommen ist“, sagte Batirayu.

„Und so sagen sie, daß wir Flügel bekommen sollen“, sagte er und lachte höhnisch.

Den Missionaren nach glauben die Chanés an ein höchstes Wesen,[99] Tunpahétte-vae, den wirklichen Gott. Der Name klingt schon verdächtig. Ich stehe der Annahme, daß dieser ursprünglich ist, sehr skeptisch gegenüber. Als ich mit den Missionaren über die Religion der Indianer sprach, erstaunte ich über ihre Unwissenheit. Sie verachten die Vorstellungen der Indianer und halten es nicht der Mühe wert, sie näher kennen zu lernen. Es gelingt ihnen niemals, sich von der katholischen Vorstellung zu befreien, daß die Indianer, die, wie wir, von Adam und Eva herstammen und zu denen San Thomas gepredigt hat, nichts von ihrem „ursprünglichen Glauben“ wissen.

Zwei der Tunpas, die hier in den Sagen auftreten, haben Tiernamen, Aguaratunpa (Fuchsgott) und Tatutunpa (Gürteltiergott). In den Sagen finden wir einen intimen Zusammenhang zwischen Menschen und Tieren.

Batirayu sagte: „Alle Tiere sind Menschen gewesen.“

Die Erschaffung der Welt, wie der Fuchsgott, Aguaratunpa, den Algarrobobaum fand und wie er den weißen Kondor, Ururuti, fing.

Erzählt von zwei Chanéindianern am Rio Parapiti.