Abb. 43. Pfeifenkopf. Ashluslay. ¼.

Es ist merkwürdig, daß die Indianer so eifrig hinter dem Tabak her sind, da sie doch selbst solchen bauen. Man braucht indessen ihren Tabak nur zu versuchen, um zu verstehen, daß sie lieber den des weißen Mannes rauchen, denn ihr eigener ist geschmacklos und schlecht. Sie verstehen offenbar nicht, ihn aufzubewahren, sondern lassen ihn vermodern, so daß er wie Kompost aussieht. Die Chacoindianer wollen starken Tabak. Sie sind alle Pfeifenraucher, und man sieht im Chaco einen großen Reichtum an Pfeifentypen.

Die Frauen rauchen in der Regel nicht. Eine Ausnahme bilden jedoch die Chorotimädchen, die viel mit Weißen gelebt haben. Schenkt man einer Frau Tabak, so gibt sie das Erhaltene ihrem Manne. Die Knaben sind, wenn sie über Tabak kommen, große Raucher. Oft sieht man Knaben von vier bis fünf Jahren mit Wohlbehagen qualmen.

Die Indianer rauchen, wie schon erwähnt, immer abwechselnd, d. h. die Pfeife geht von Mund zu Mund. Jeder tut ein paar kräftige Züge und dann geht die Pfeife weiter zum nächsten Mann. Manchmal ist es mir passiert, daß ein Indianer mir die Pfeife oder Zigarette aus dem Mund genommen, einige Züge getan und sie mir dann wieder in den Mund gesteckt hat. Man gewöhnt sich so sehr an diese Sitte, daß man sich förmlich geniert, so geizig zu sein, allein zu rauchen. In der Regel reichte ich meine Pfeife nach ein paar Zügen einem Indianer, um sie dann, wenn sie die Reihe entlang gegangen war, ausgeraucht zurückzubekommen. Die Chorotis im Chaco mischen den Tabak oft mit Spänen einer außerordentlich wohlriechenden Rinde, was dem Rauch einen sehr pikanten Geschmack gibt. Diese Rinde erhalten sie von den bei Caiza, nahe den letzten Ausläufern der Anden gegen den Chaco, wohnenden Chorotis.

Besonders liegt es den Indianern am Herzen, daß bei den Trinkgelagen genügend Tabak vorhanden ist. Dieser ist ebenso notwendig, wie Zigarren zum Punsch und Kaffee für viele Schweden. Wandert man mit diesen Indianern, so muß man sich auch darein finden, daß jede zweite Stunde Halt gemacht und eine Pfeife geraucht wird. Dies ist so wichtig, daß man es nicht im Gehen tun kann, sondern sitzend, in allerschönster Ruhe, soll man den herrlichen Rauch genießen.

Jedem, der im Chaco reist, will ich deshalb den Rat geben, so viel Tabak mitzunehmen, wie man es für Geschenke und Tauschwaren erforderlich hält — und dann noch einmal soviel — dann reist man je nach den Verhältnissen ebensogut wie derjenige, der in der zivilisierten Welt mit einer mit Gold gespickten Börse reist.

Medizinmänner, religiöse Vorstellungen.

Nach den großen Trinkgelagen werden die Indianer nicht selten krank. Irgendeiner hat eins seiner eigenen Haare oder Exkremente in das gelegt, was er getrunken hat. Er ist verhext worden. Die Medizinmänner werden herbeigerufen, um die Verhexung zu lösen. Will man nicht verhext werden, dann hat man, wenn man in einem fremden Dorfe ist, vor allem darauf zu achten, daß niemand sieht, wo man seine Bedürfnisse verrichtet. Man setzt sich sonst dem aus, daß man etwas davon zu essen bekommt, und das soll nicht gut sein.

Mehrmals habe ich die Medizinmänner in den Dörfern bei der Ausübung ihres Berufs gesehen. Eines Tages, als ich bei den Chorotis war, fühlte ich mich etwas unwohl und ließ einen dieser Herren nach meinem Lager rufen. Ich gab vor, im unteren Teil der Brust einen heftigen Schmerz zu verspüren, und fragte ihn, ob er mich heilen wolle. Er versprach mir am Abend zu kommen. In der Dunkelstunde fand er sich zusammen mit einem Kollegen ein. Sie verlangten allein mit mir gelassen zu werden. Moberg und Andersson wurden hinausgewiesen und Posten wurden aufgestellt, damit kein Unbefugter in die Hütte komme.

Zuerst mußte ich mich nackend ausziehen und hinlegen. Dann strichen sie mir über Brust, Seiten und Magen und hierauf bespuckten sie mich. Danach begannen sie mich anzupusten und später legten sie sich nieder und saugten kräftig an meiner Brust, besonders an der Stelle, wo ich mich über Schmerzen beklagt hatte. Nachdem sie ein Weilchen gesaugt hatten, wandten sie sich ab und taten, als übergäben sie sich. Das Erbrochene zeigten sie mir nicht, als sie es aber zwischen den Fingern zermahlten, sah es aus, als ob sie Würmer zerdrückten. Das Ganze dauerte wohl eine Stunde, und als ich mich wieder ankleiden durfte, hatte ich überall Saugflecken. Die werten Herren unterhielten während der ganzen Heilung ein lebhaftes Gespräch, das ich nicht verstand. Aus der Mimik konnte ich jedoch verstehen, daß es sich um eine Konsultation (Beschwörung) handelte. Als Honorar erhielt der eine Arzt ein Hemd und der andere ein Paar enganschließende Unterhosen.