Dem Toten bauen sie in der Tiefe des Waldes ein besonderes Haus mit Feuerstätte und Bett. Er wird auf das Bett gelegt oder manchmal in ein Tongefäß hineingestopft. Ich selbst habe niemals ein derartiges Grabhaus gesehen, die Indianer haben es mir aber so beschrieben. Als ich danach fragte, erklärten sie mir, augenblicklich gäbe es keins, das nicht vollständig zerstört sei. Sie wollten mir ihre Gräber vielleicht nicht zeigen. Auf meiner Reise 1902 zog ich auch durch das Gebiet der Vejos und grub damals ein Vejograb aus. Vielleicht war dieses nicht typisch. Unter einer Wildschweinhaut lag der Tote in die Erde eingegraben mit seiner Wasserkalebasse. Von Hütte und Bett war keine Spur vorhanden. Die Kalebasse war leer. Das Wasser habe der Tote ausgetrunken, sagten die Indianer.

Nicht selten arbeiteten die Mataco-Vejos als Diener der am Rio Itiyuro wohnenden Chanés. Daß ein Chané dagegen bei einem Mataco dienen sollte, wäre undenkbar. Einen solchen Klassenunterschied zwischen den Stämmen werden wir hier wiederholt zu erwähnen Gelegenheit haben.

Am 18. Mai waren wir in Yacuiba, einem großen Dorfe an der Grenze zwischen Bolivia und Argentinien. Jetzt ist es ein ganz anständiger Platz, während es früher ein gefährlicher Zufluchtsort für Verbrecher war, die aus Furcht vor der argentinischen Polizei hierher geflohen waren.

Yacuiba war während eines großen Teiles der Reise ein wichtiger Stützpunkt für mich. Ein liebenswürdiger Franzose, C. Holzer, hat mir dort große Dienste geleistet, indem er mir bei vielen schweren Transporten von Ausrüstungen und Sammlungen behilflich war.

Mein erster Ausflug von Yacuiba galt den Chanéindianern am Rio Itiyuro. Diesen werde ich in einem anderen Zusammenhange schildern. Mein zweiter war nach dem Rio Pilcomayo und den an diesem eigentümlichen Flusse wohnenden Indianern.

Hier begann der ernste Teil meiner Reise.

[1] Ortsnamen, Eigennamen, spanische und indianische Wörter sind in der Regel der spanischen Aussprache gemäß geschrieben.

[2] Ashluslay: englisches sh.

Zweites Kapitel.
Unter den Indianern am Rio Pilcomayo.

Als ich frühzeitig im Jahre 1902 vom Rio Pilcomayo heimkehrte, glaubte ich kaum, daß ich jemals wieder dorthin kommen würde. Die widrigen täglichen Staubstürme machten den Aufenthalt unerträglich. Anfang Juni 1908 ritt ich gleichwohl wieder durch den großen Wald zwischen Yacuiba und Crevaux nach dem Rio Pilcomayo. Man vergißt so leicht die Schwierigkeiten einer Reise. Nach einiger Zeit gedenkt man ausschließlich der angenehmen Stunden. Nach einer Höflichkeitsvisite bei den Matacoindianern ging ich bei Crevaux über den Rio Pilcomayo und reiste durch ein von den Toba bewohntes Gebiet zu den Chorotiindianern, die etwa 50 km unterhalb Crevaux viele Dörfer besitzen. Hier verweilte ich vor allem in dem Dörfchen des Chorotihäuptlings „Waldhuhn“. Dort amüsierte ich mich prächtig; beinahe nackt, nur in Federschmuck und Brille gekleidet, tanzte ich des Nachts mit den Indianern und Indianerinnen an den weißschimmernden Sandufern des Rio Pilcomayo. Fühlten wir uns vom Tanze erhitzt, so tummelten wir uns in dem brausenden Wasser des Flusses. Wir jagten, sangen, spielten, fischten, wir rauchten abwechselnd aus derselben Pfeife und langweilten uns niemals. Einige Besuche machte ich 60–70 km weiter unterhalb des Flusses bei den Ashluslayindianern, die, durch meine Vorräte von Messern, Nadeln, Tabak und prächtigen Tüchern angelockt, mich einluden, sie im Herzen ihres Landes zu besuchen.