Am Ende schien es Zeitverschwendung, ihm mit dem Gewehr nachzustellen; Cuddy heckte daher, als der Schnee am tiefsten war und das Futter am spärlichsten, einen neuen Anschlag aus. Über Rotkrauses Futterplatz verteilte er eine Menge tückischer Schlingen. Ein Hase, ein alter Freund, zernagte mehrere mit seinen scharfen Zähnen, aber einige blieben übrig, und Rotkrause trat richtig in eine hinein. Im Augenblick wurde er in die Luft geschleudert und baumelte hilflos an einem Bein. –
Haben die armen Tiere gar keine moralischen oder gesetzlichen Rechte? Und welches Recht hat der Mensch, seinem Mitgeschöpf solch lange, furchtbare Martern aufzuerlegen, nur weil dieses Geschöpf nicht seine Sprache spricht? – Den ganzen Tag hing der bedauernswerte Rotkrause in wachsender Pein und schlug mit seinen mächtigen, starken Schwingen in hilflosem Bemühen, sich zu befreien. Den ganzen Tag, die ganze Nacht schwebte er zwischen Himmel und Erde, bis er sich nur noch nach dem Tode sehnte. Aber er erlöste ihn nicht! Der Morgen brach an, der Tag verstrich, und noch hing er, langsam sterbend. Die zweite Nacht kroch heran, und eine große Steineule, die durch das schwache Flattern herangelockt wurde, machte der Qual ein Ende.
Der Wind blies von Norden das Tal herab, der Sturmwind brauste über das runzelige Eis, über das unwirtliche Marschland in der Richtung nach dem Ontario-See und streute die zerzausten regenbogenfarben schillernden Federn über das Land, den Stolz des letzten Fasanen vom Schlammbachtal.
Denn keiner kommt mehr nach Castle Frank. Die Waldvögel vermissen den kriegerischen Frühlingsgruß, und der alte Fichtenstumpf im Schlammbachtal ist verfault und zerfallen.
Wully.
Ein Schäferhund.
Wully war ein kleiner, gelber Köter. Unter der verächtlichen Bezeichnung Köter versteht man gewöhnlich einen rasselosen Mischling und vergißt dabei, daß dieses verachtete Wesen meistens mehr Rasse in sich zeigt, als irgendeiner seiner aristokratischen Verwandten. Er ist schlau, beweglich und ausdauernd und weit besser für den harten Kampf ums Dasein ausgerüstet, als seine rasseechten Vettern.
Setzen wir den Fall, wir würden einen ganz gewöhnlichen Dorfköter, einen kostbaren Windhund und einen Bullenbeißer auf einer öden, verlassenen Insel aussetzen, welcher von diesen dreien würde wohl nach sechs Monden noch gesund am Leben sein? Zweifellos der verachtete Dorfköter. – Er besitzt weder die Schnelligkeit des Windhundes, noch die Kraft und die Kühnheit eines Bullenbeißers, aber etwas tausendmal Wertvolleres, einen gesunden Verstand.