Nur einmal noch war Bingo als Kuhhirt tätig, im Herbste des gleichen Jahres auf dem Jahrmarkt von Carberry. Unter den Zugnummern befand sich außer einer Viehschau auch die lockende Aussicht auf eine hohe Ehrenauszeichnung und einen Barpreis von zwei Dollars für den bestgezogenen Collie.

Durch einen falschen Freund überredet, ließ ich Bingo mit auf die Liste setzen, und früh am festgesetzten Tage wurde die Kuh auf eine Wiese außerhalb des Dorfes getrieben. Als der Zeitpunkt kam, an dem Bingo seine Künste zeigen sollte, wurde ihm die in der Ferne friedlich weidende Kuh gezeigt und ihm der Befehl erteilt, sie zu bringen, natürlich in der Meinung, daß er sie nach dem Stande der Preisrichter treiben sollte.

Aber die beiden Tiere wußten es besser, und nicht umsonst hatten sie den ganzen Sommer über geprobt. Als die Kuh Bingo in Karriere auf sich zukommen sah, wußte sie, daß ihre einzige Rettung war, sofort in den Stall zu gelangen, und der Hund war ebenso überzeugt, daß seine einzige Aufgabe darin bestände, ihr Tempo in dieser Richtung möglichst zu beschleunigen. So rasten sie über die Prärie wie der Wolf hinter dem Reh, und entschwanden in der Richtung nach der zwei Meilen entfernten Farm unseren Blicken.

Es war das letztemal, daß Preisgericht und Richter jemals Hund und Kuh zu sehen bekamen, und der Preis wurde gerechtermaßen der einzigen anderen Anmeldung zugesprochen.

III.

Bingo besaß, wie ich schon sagte, eine sehr starke Anhänglichkeit an unsere Pferde. Am Tage trottete er neben ihnen her, und des Nachts schlief er vor der Stalltür. Wo das Gespann hinging, dahin ging auch Bingo, und durch nichts war er von ihm fernzuhalten. Aus diesem Grunde erscheint die folgende Begebenheit höchst rätselhaft.

Ich war gewiß nicht abergläubisch und hatte niemals an Vorzeichen geglaubt, doch machte eines Tages ein eigenartiger Zwischenfall, bei dem Bingo die Hauptrolle spielte, auf mich einen tiefen Eindruck. Wir zwei, d. h. mein Bruder und ich, lebten zu jener Zeit auf der De-Winton-Ansiedelung. Eines Morgens fuhr mein Bruder hinaus nach dem Boggybache, um eine Fuhre Heu einzuholen, und da es hin und zurück eine gute Tagereise war, brach er schon beim Morgengrauen auf. Da geschah das Sonderbare: Bingo war zum erstenmal in seinem Leben nicht zu bewegen, dem Wagen zu folgen. Mein Bruder rief ihn wiederholt, aber er hielt sich in sicherer Entfernung und weigerte sich, ängstlich nach den Pferden hinüberschielend, zu folgen. Dann plötzlich hob er seine Nase in die Luft und begann ein langes, melancholisches Geheul. Er verfolgte den Wagen mit den Augen, bis er außer Sicht war, lief auch noch ein Stückchen hinaus, aber nur um immer und immer wieder sein jammervolles Geheul zu erheben. Den ganzen Tag hielt er sich nahe dem Stalle, zum erstenmal freiwillig getrennt von den Pferden, und heulte mit kurzen Pausen einen wahren Totengesang. Ich war ganz allein, und des Hundes sonderbares Gebaren flößte mir eine schreckliche Vorahnung von nahendem Unglück ein, die schwerer und schwerer auf mir lastete, je weiter der Tag vorrückte.

Ungefähr um sechs Uhr wurde mir Bingos anhaltendes Geheul unerträglich, so daß ich wütend das nächste beste nach ihm warf und ihn hinwegjagte. Aber die furchtbarsten Vorahnungen konnte ich nicht loswerden. Warum hatte ich auch meinen Bruder allein ziehen lassen? Würde ich ihn je lebend wiedersehen? Nach dem Benehmen des Hundes zu urteilen, mußte etwas Entsetzliches passiert sein.