Herr Samuel Heinzerling kraute sich jetzt in den Locken, rückte die große Brille mit den runden Gläsern zurecht und schüttelte zwei, drei, vier Mal das pädagogische Haupt.
»Ein mäserabler Jonge, dieser Rompf!« murmelte er vor sich hin … »Aber äch glaube fast, auf dem Weg der Güte äst mähr bei ihm auszurichten, als mit Gewalt und Strenge. Äch wäll ähm einmal ärnst-nachdrocksamst in's Gewässen räden! Schade om ähn! Er gehört zo meinen begabtesten Schölern!«
Er klingelte.
Nach drei Minuten erschien Anny, Quaddlers sechzehnjährige Tochter. Sie war augenscheinlich im Begriff, einen Ausgang zu machen; dafür sprach das kokette Federhütchen, das sich anmuthig auf ihren dunklen Locken wiegte, und das bunte Shawltuch, das ihre vollen Schultern umfing.
»Sie befehlen, Herr Direktor?« fragte sie mit einer graziösen Verbeugung.
»Wo ist Ihr Vater?« flüsterte Samuel mit einer für seine Verhältnisse außerordentlich reinen Aussprache des »i«.
»Er kleistert. Haben Sie etwas zu besorgen, Herr Direktor?«
»So, er kleistert. Na, dann wäll äch ähn nächt stören in seiner Kleisterei. Es äst nächts Besondres, Anny. Der Carcerschlössel stäckt ja?«
»Ich werde einmal gleich fragen, Herr Direktor.«