Hiermit war die Angelegenheit erledigt. Niemand wagte zu fragen, denn Fräulein Holger war sehr streng.
Des andern Tages um zehn Uhr befanden sich die Mädchen wieder im Garten. Die Freistunde hatte gerade begonnen. In dem blühenden Jungfrauenkreise fehlte nur Rosa.
»Ob er wohl kommen wird?« flüsterte Eulalie mit bebender Stimme.
»Ohne Zweifel«, beschwichtigte Josephine.
»Ach, wenn er ausbliebe, es wäre mein Tod, Phina! Du weißt ja, was es heißt, im tiefsten Herzensgrunde …«
»Ja, ja, ich weiß, Kind! Fasse Dich nur, damit Niemand merkt, wie gewaltig Du ergriffen bist.«
»Ich hätte große Lust, einmal nachzusehen!« rief jetzt Asta mit heller Lebendigkeit. »Rosa läßt uns warten, wie komplete Einfaltspinsel! Ich wette, er ist längst da. Sie mißgönnt uns nur seinen Anblick!«
»Nicht doch«, sagte Martha. »Wir haben geloost, Rosa muß aufpassen, und sie wird ihre Schuldigkeit thun. Seit heute früh hat sie für Nichts Auge und Ohr, als für ihre Pflicht. Wenn nur ein Bleistift zu Boden fällt, zuckt sie zusammen, wie eine Schildwache auf dem Vorposten. Sie ist von uns Allen die Schlauste.«
»Aber schaden kann's ja nichts …«
»Doch, doch! Sobald Fräulein Holger merkt, daß wir uns für den Herrn interessiren, wird sie ihre Vorsichtsmaßregeln treffen, so daß wir unter Umständen nicht das Geringste erfahren. Bitte, bitte, bleib' hier an meiner Seite.«