»Ach, ich bin's müde, mich von Ihnen hänseln zu lassen!« Und krach! flog die Tür zu, und brummend schlich der ehrliche Schließer von dannen.
Abermals ein kurzes Zwiegespräch mit dem trefflichen Knebel.
»In zehn Minuten ist die Reihe zu schellen an mir«, rief er jauchzend. »Der Quaddler soll doch wissen, wofür er das schwere Karzergeld einheimst.«
Ich benutzte die Frist bis zur nächsten Quaddler-Episode, um mich im Innern meiner Zelle etwas gründlicher umzusehen.
Wenn ich die Mauern meines Verließes vorhin »weiß getüncht« nannte, so war dies insofern inkorrekt, als die ursprüngliche Reinheit des Kolorits längst einem Zustande schwarz gesprenkelter Unsauberkeit Platz gemacht hatte. Da existierte kaum ein Fleckchen, wo nicht ein Tintenklex, eine Inschrift oder eine groteske Zeichnung prangte, so daß einzelne Partien der Wandfläche den Eindruck einer fast regelmäßigen Marmorierung hervorriefen.
Ich trat näher herzu: Hunderte von Vorgängern hatten hier eine beredte Erinnerung an durchlittene Stunden zurückgelassen … Ich bekenne, daß mich dieser augenscheinliche Beweis von dem socios habuisse malorum äußerst behaglich anmutete. Und dabei ersah ich aus den meisten dieser Ergüsse, daß die Schmerzen des Karzers keineswegs den guten Humor schädigten: eine Wahrnehmung, die sofort in meinem eigenen Busen verwandte Regungen weckte.
Da stand z. B. in großen lateinischen Lettern, fast unmittelbar an der Decke:
Weil ich den Schmidt am Haar gezerrt,
Hat Bosheit mich ins Loch gesperrt.
Meier.