»Ja, Herr Quaddler,« sagte Rumpfs Onkel, »ich begreife in der Tat nicht, was Sie eigentlich wollen. Das Gitter da ist doch ganz fest, und mit den Fingern kann man's nicht abschrauben …«

Rumpf wandte sich verständnisinnig zu diesem gewichtigen Fürsprecher und murmelte:

»Ich sag's ja, er war bei Lotz. Gestehen Sie's offen Quaddler!«

»Bei Lotz …, das steht sozusagen richtig, aber ich habe nur zwei Glas Bier getrunken, und was ich gesehen habe, das hab' ich gesehen, und das laß ich mir nicht ausreden, und wenn Sie's gütigst erlauben, werd' ich's dem Herrn Direktor vermelden.«

»Zwei Glas Bier!« schrie Wilhelm Rumpf. »Und ein Mann, der sich solchen Ausschweifungen überläßt, will uns moralische Vorlesungen halten …? Wissen Sie was? Besoffen sind Sie gewesen, und da haben Sie in Ihrem Taumel eine Halluzination gehabt. Ich bin hier nicht von der Stelle gewichen und habe gearbeitet, während Sie den heiligen Sonntag durch ein Zechgelage entweihten. Ich werde dem Herrn Direktor schon das Nötige zu vermerken wissen, wenn Sie mich anschwärzen wollen. Soll ich noch dafür aufkommen, wenn Sie sich in aller Frühe einen Rausch antrinken? Pfui, und abermals pfui! Sie wollen Pedell sein? Sie wollen eine Tochter erziehen? Sie sollten sich schämen! Ein Mann von beinahe fünfzig Jahren und solche Extravaganzen …! Siehst Du, Onkel, so hat man nun seine Not auf der Welt: wenn der Pedell sich bekneipt, soll der Sekundaner die Suppe ausessen!«

»In vollem Ernste, Herr Quaddler,« begann jetzt der Onkel, »ich fange an zu glauben, daß Sie sich in eigentümlicher Weise getäuscht haben. Darf ich Ihnen einen freundschaftlichen Rat erteilen, so lassen Sie die Sache auf sich beruhen. Der Herr Direktor gibt etwas auf mein Urteil, und ich werde ohne Bedenken die Aussagen meines Neffen bestätigen. Oder haben Sie sich vielleicht gar in der Zelle geirrt? Nicht wahr, daneben sitzt ja noch einer?«

»Nein, nein!« erwiderte Quaddler, »es war hier diese Zelle, und ich will nicht selig werden …«

»Sie sind hartnäckig«, sagte der Onkel; »Scherz beiseite, ich werde die nächste Gelegenheit ergreifen, mit dem Herrn Direktor zu sprechen.«

»Da möchte ich Sie doch ganz ergebenst bitten, wenn Sie das tun wollen, die Güte zu haben, es lieber nicht zu tun. Eher will ich noch annehmen, ich hätte mich getäuscht; obgleich ich mich ganz gewiß, das heißt, ich will sagen, bitte, sprechen Sie nicht mit dem Herrn Direktor!«