War es Sonnabend, so hatte der Lehrer die Verpflichtung, mit der Klasse ein Schlußgebet anzustimmen. Für Doktor Veit, den ausgesprochenen Materialisten, eine schreckliche Aufgabe! Seufzend holte er das schwarze, unheilverkündende Buch hervor und suchte sich unter den zweihundertundfünfzig Gebeten das kürzeste aus.

»Da, Knebel, lese Sie's vor! Allez! vite! vite!«

Und Knebel begann zu lesen:

»Vollendet ist das Werk dieser Woche. Du, Herr, hast es vollenden helfen! …«

Doktor Veit, der mit gefalteten Händen auf dem Katheder stand und auf den Schwamm blickte, wechselte während der Lektüre mindestens achtmal sein Standbein und atmete erst wieder auf, wie Knebel das Amen flüsterte. Jetzt drängte die Klasse stürmisch dem Ausgange zu.

»Halb so wild!« rief Doktor Veit, seinen Hut ergreifend. »Festina lente, sagt der Lateiner!«

Und somit schritt er behaglich der Treppe zu.

Im Erdgeschoß begegnete er dem Pedell.

»Höre Se mal, Quaddler, ich hab's Ihne schon sage lasse: Wenn Sie wieder Kraut koche, dann mache Se gefälligst die Küch' zu. Es riecht hier so schon net grad' nach Ambra und Roseöl.«