»Vorläufig handelt es sich gar nicht um Geben oder Nichtgeben. Alles das wird sich später finden. Marion liebt mich. Im Nothfall entführe ich sie …«

»Himmel! Das wird einen saubern Skandal absetzen!«

»Mir gleich. Zunächst aber gilt es, meine Ehre wieder herzustellen. Denke dir, Croquepeu: die Geliebte meines Herzens war Zeuge des entsetzlichen Auftrittes! … Sie sah, wie ich fliehen mußte! O, ich hätte vor Wuth und Scham bersten mögen! – Aber die Steinwürfe ließen mir keine Wahl; sie würden mich zu Brei zermalmt haben. Begreifst du, Knaben-Despot, was es heißt, vor den Augen seiner Geliebten die Rolle eines Feiglings spielen zu müssen?«

»Ah, ich weiß es nur zu gut! Unter uns gesagt, Pierrot, – du erzählst es nicht weiter – ich bin überzeugt, Eugenie heirathete nur darum den Epicier, weil er mich einst vor ihren Blicken ohrfeigte, ohne daß ich meinerseits … Du verstehst! Es fehlt mir im allgemeinen nicht an Courage, aber Raoul war ein baumlanger Kerl, und so dachte ich, besser eine geringe Injurie einstecken, als sich einer tödtlichen Körperverletzung aussetzen. Aber, wie gesagt, das beklemmende Gefühl von damals ist mir noch sehr wohl erinnerlich … Haben sie dich auch geohrfeigt?«

»Das nicht. Allein ich mußte Fersengeld geben, wie ein Äpfeldieb, und das Hohngelächter der Clatouneserinnen verfolgte mich bis an die Grenze des Weichbildes. Man macht eine erbärmliche Figur, Croquepeu, wenn man so durch die Straßen sprengt und von den ungezogenen Gamins mit Pflaumen und Chausseesteinen geworfen wird! Ich bedarf einer glänzenden Genugthuung, sonst bin ich in den Augen Marion's für allezeit discreditirt. Willst du mir beistehen?«

»Was kann ich thun?«

»Berufe die angesehensten Bürger für heute Abend in die Scheune des alten Grimmont! Ich werde ihnen den Fall vortragen und ihre Unterstützung in Anspruch nehmen.«

»Gut. Auf sieben Uhr.«

»Und nun begleite mich in die Weinstube; ich verdurste bald. Um halb zwei muß ich ins Geschäft; also laß uns die Frist benutzen! Du wirst deine Einladungen dringlicher vorbringen, wenn du erst ein paar Tropfen Rebenblut in den Adern spürst.«