[Nachtrag 1]

Die Beschreibung, wie man bei der Feier der Maispiele den Sommer ins Land ritt und in Scheingefechten den Winter besiegte, hat ihre neueste Vervollständigung gefunden durch die drei Bildergruppen eines altdeutschen Teppichs auf der Wartburg, dessen Contouren im Anzeiger des German. Museums 1870, no. 3 mitgetheilt sind. Sie stellen die Berennung und Vertheidigung einer Burg durch Wilde Männer dar. Aus einem Laubwalde sprengen sechs Reiter hervor, Laubzweige schwingend, um Haupt und Lenden Epheukränze tragend, jeder auf einem phantastischen adlerklauigen Rosse, dem sg. Wasser- oder Pfingstvogel. Voraus reitet der Maikönig, kenntlich durch seine offne Goldkrone mit dem Ornamente der drei stumpfen Blätter, über welche sein Hirschgeweih emporragt. Daher heisst er in Oberdeutschland Hirzmontagreiter.

Um die Hüfte trägt er einen Gürtel von Rosen. Er und sein Gefolge schiesst mit Pfeil und Speer Rosen in die gegenüberliegende Burg. Ihre Absicht steht auf den sie umgebenden Spruchbändern zu lesen.

Wol vf alle mine wilden man,

wir wellent festen und buirge han.

Schiessen alle, nieman lôss abe

an büte gewinnen, will einer habe.

Die angegriffne Burg ist mit einem Wassergraben umgeben, den ein vor den Sommerreitern her eilender Jüngling mit herbei getragnen Brettern zu überbrücken strebt. Von den Zinnen herab kämpfen fünf dicht in Wollenfliesse gekleidete Männer, die Winterkönige; denn auch sie tragen Kronen wie der Maikönig und schiessen und schleudern lauter Lilien. Ihr Burgwart am Söller stösst ins Rom; das Spruchband über ihnen besagt

Vnser vesten, die ist wol behůt

mit gilgen, klewen, rosenbůt.