Un in eenem Ogenblick girrde un swirrde dat äwer den Hoff, un veele dusend bunte Vägel flögen her, so datt de Häwen verdunkelt wurd, as wenn Heuschrecken dör de Luft tehn. Un de armen lütten Vägelken setteden sick all dicht vör dem glöningen Awen dal, as ob se up dat Wurd der olden Hex paßten herintoflegen. Un Dom sach sin buntes Vägelken ook dåmank, un de Thranen kemen em in de Oogen. Äwerst he wischte selbst ut un makte sick stark un wull't sick nich an't Hart kamen laten. Un de olde Hex markt et, grieflachte un sede: Se hebben mi vörtellt, Dom, du werest de ehrenfasteste un trufasteste van allen Riddern un heddest een Hart för grote Dinge Lewen un alles in de Schanz to slan. Nu kannst du't wiesen un dat Domslof fin maken. Denn wenn du för din buntes Vägelken in den fürigen Awen springst, so schall't mit all den annern Vägeln fri sin. Un Dom besunn sick een beten, un ditt Mal dücht' et em keene Schand, wenn he sin Pusch! mal brukte; un he nam de olde Hex bi der Hand un slog in un sede: Topp! dat is een Wurd! de Domsnamen schall in mi nich to Schanden warden. Äwerst dat Für is het, un ick hew eenen Gruwel so van sülwst henin to springen; dårüm kumm, un schuw mi henin. Un se was froh in der Hoffnung, nu würd se en woll quit warden un bawenin, wenn he dood were, sine heemliche grote Kunst wohl noch finden. Un Dom stellde sick wedder sehr dumm un dölpsch, un so trat he vör dat Awenloch, un stämmde sick up sine starken Beenen, datt he sick strüwen künn. De olde Hex äwer in sinem Rüggen makte sick stark, un schof un schof ut allen Kräften, un achter ehr stunden veele hundert Kater un Zegenbück un drängden se wedder vörwarts. Un as de ganze Last up Dom drückte un he sick nah am Störten föhlde, då rührde he swind mit dem lütten Finger am Ring un sede Pusch! un im Hui weg was he, un de olde Hex, de nicks mehr vör sick hedd un van ehren Mackers van achtern vörwarts stött wurd, störtede in dat Für un hülde as eene hungrige Wülwin in den Twelften. Äwerst nu was ehr Spill vörbi, un nüms kunn ehr helpen, se müßte jämmerlich verbrennen; denn se was in ehre egne Kunst geraden un in ehr egne Smeer fallen. Denn dat is een wåhr Wurd, wat de Lüd so seggen: eene Hex, de in ehre egne Hexeri gerött, kann nümmer wedder herut kamen.
Un Dom stund nu wedder sichtbar då un juchte, datt de ganze Hoff vör Froiden schallde. Un as dat Für dalbrennt un de olde Hex in Asch verwandelt was, datt ook nich mal een Knaken van ehr uptosammeln blef so mächtig was ehr ingaten Fett west—erscheen een schönes un grotes Wunder. All de bunten Vägelken, de vör dem glönigen Awen seten, wurden plötzlich in de schönsten Jumfern ümschapen, un bald sach Dom sine schöne Prinzessin Dietlinde, de em üm den Hals flog un en veel dausend Mal unner söten Thranen küßte un reep: Min Dom! min dapprer, min truer Dom! so hest du din armes verwandeltes Kind, din buntes Piepvägelken, ut dem trurigen Hexenbann erlöst?—Un in der Minut, as de letzte Bloodsdruppen un Fettdruppen van der olden Hex to Asch worden was, ging dat äwer dat Töwerslott un den Töwergården her, as were då dat grote Saatfeld west, woräwer Gott der Herr eenmal am jüngsten Dage de Pauken un Basunen klingen laten ward. Alles rührde, bewegde un vörwandelde sick: alle Strüke, Böme, Krüder, Blomen, Vägel un Deerde sprungen as nüe Gestalten herüm, un in groten langen Reigen kemen veele Dusende schöner Knaben un Mädlin herut un sungen, jubelden un juchten: Dom! Dom! de stolte, de dappre Dom! de uterwälte Riddersmann Gottes het uns erlöst un dat satanische Nest terstürt. Denn Slott un Gården un Blömer un Böme mit aller töwerischen Anmodigkeit un Prächtigkeit—alles alles in eenem Nu was't weg, as wer't nümmer då west, un se stunden all up dem hogen kalden Barg un keeken sick an un vörwunderden sick äwer eenanner un ook, wo dat schöne un luftige Hexenwark blewen was.
Un don togen se all bargdal in dat Land, wo dat warmer un schöner was, un de meisten in groten Froiden, wiel fast jeder sinen Schatz am Arm hedd. Un dat was een Juchen, Tosen un Josen un Singen un Klingen as in den ersten Dagen des Froihjåhrs, wo alles grönt un bloiht un de Vägelken, de de kolde Winter int warme Muhrenland vörjagd hedd, wedder to Hus kamen un ehre Kehlen to Gesängen stimmen. Un as se unnen im Dal weren, dankten alle ehrem Erlöser Dom, un reisten up allen Straten un Wegen to Hus, jeder in sin Land un to den Sinigen. Un Dom sede to siner Prinzessin: Nu, mine leewste Dietlinde, känen wi ook henreisen, wo din Vader wahnt, un dat ward mi nich mehr gefährlich wesen; denn ick weet, datt ick dat Hardeste un Gefährlichste bestahn hew, wat de Dorn bestahn schull, un dat Äwrige ward man een lichtes Kinderspill wesen.
Un se tögen wieder herup im Swawenlande un hürden, datt groter Upruhr west was gegen den olden Hertog un datt een paar Grewen en mit Wehr un Wapen anfallen ut dem Feld slagen in dat Gefängniß set't un sine Herrschaft an sick reten hedden. Un Dom bedachte sick nich lang. As he in de Stadt Rotwiel kam, ging he hen un köffte sick een Striedroß un Wapen un Rüstung, red up dem Markt up un let sine Fahn mit dem Ridder, de eenen Draken sleit, flegen, un sinen Herold utropen Dom! Dom! Hierher! Hierher! De Ridder Dom de Slangendöder is ut fernen Landen wedderkamen un hölt in Rotwiel un hett sine Fahn upsteken för den gefangenen un afgesetten Hertog, un he seggt: Heran! Heran! wer noch an den olden Herrn denkt! up! up to Stried un Sieg! wi willen den Deewen un Röwers den Rof afjagen. Un as de gewaltige Nam Dom erklung, sammelden sick de Fründe un Getruen des Hertogs unner em, un he rückte ut mit en den Uprührern entgegen, de ook eene grote Vergaderung makt hedden; un he truff up se bi eener Stadt, de Lindau het, un mangelde mit en, un slog se so gewaltig, datt kum een Mann dåvan kam un de beiden Grewen sülwst up dem Platz blewen. Dårup red he vör dat Slott, worin de olde Hertog gefangen lag; un de dat Slott behöden schullen, kam, as se den Namen Dom hürden, Frucht un Schrecken an, un selbst gewen et strax up. Un Dom ging hen un halde den olden Herrn ut dem düstern Loch, wo de Böswichter en heninsmeten hedden, un sprack em to un fragde en, ob he en noch kennde. Un de Hertog schüddelde mit dem Kopp un sede Ne. Don sprack Dom: Ick het Dom, un bün de Dom, den du tweemal bedragen hest, un hier is dine Dochter,—un he let Dietlinden herintreden—un wi hebben di din Land und dine Herrschaft wedder gewunnen. Un de olde Hertog schämde sick sehr un sede: Ick hew äwel an di dhan, edle Ridder, un disse Godhet üm di weinig vördeent; äwerst vörgiff mi. Ick hedd eenen Gruwel vör di un glöwde, dine Heldendhaden weren vam Düwel, un du werest een gemeener Gesell edder so een Hexen- un Düwels-Kind as Nimrod un Oss van Basan Goliath un annere sodane Doiwelskerls towielen west sünt—un dårüm wull ick di mine Dochter nich gewen. Äwerst nu seh ick apenbår, datt Gott mit di is in allen Dingen un datt du de wahrhaftige un liefhaftige Eddelmannsdom büst, de üm nicks Geringeres frien dörft as üm een Königs- edder Hertogs-Kind. Un nu kumm mine Dochter—un hiermit nam he Dietlindens Händ un lede se in Doms Hände—dissem unverglieklichen unäwerwinnlichen Helden, dem dappern ridderlichen Dom vörlawe ick di hiermit van ganzem Harten in Gottes Namen! un schall dat een festes Band sin, datt Düwel un Höll nich tobreken kann! un Gott schalt sin Amen dåto spreken un ju segnen van Kind to Kindeskind för un för!
Un då was grote Froid im ganzen Land, datt de Dom un de schöne Prinzessin Dietlinde wedder kamen weren un datt de Dom de Drakendöder un Riesenbedwinger een Prinz worden was un nah des olden Herrn Dood Hertog van Swawen sin schull. Un de Drei reisten nu tosam nah Zürich, un de Dom vörtellde dem Hertog alle Geschichten, de se unnerdeß erlewt hedden; un he vörwunderde sick sehr. Un in Zürich der groten Stadt wurd eene gewaltige un prächtige Hochtid anstellt, un de Dom wurd as Prinz utropen un mit dem Prinzenmantel behängt, un toletzt wurd he noch Hertog un hett veele grote un herrliche Dhaden dhan, wovan noch alle Böker vullschrewen sünt.
Geschichte von den sieben bunten Mäusen
Vor langer, langer Zeit wohnte in Puddemin ein Bauer, der hatte eine schöne und fromme Frau, die fleißig betete und alle Sonntage und Festtage zur Kirche ging, auch den Armen, die vor ihre Türe kamen, gern gab. Es war überhaupt eine freundliche und mitleidige Seele und im ganzen Dorfe und Kirchspiele von allen Leuten geliebt. Nie hat man ein hartes Wort von ihr gehört, noch ist ein Fluch und Schwur oder andere Ungebühr je aus ihrem Munde gegangen. Diese Frau hatte sieben Kinder, lauter kleine Dirnen, von welchen die älteste zwölf und die jüngste zwei Jahr alt war: hübsche, lustige Dingelchen. Diese gingen alle übereins gekleidet, mit bunten Röckchen und bunten Schürzen und roten Mützchen; Schuhe aber und Strümpfe hatten sie nicht an, denn das hätte zuviel gekostet, sondern gingen barfuß. Die Mutter hielt sie nett und reinlich, wusch und kämmte sie morgens früh und abends spät, wann sie aufstanden und zu Bett gingen, lehrte sie lesen und singen und erzog sie in aller Freundlichkeit und Gottesfurcht. Wann sie auf dem Felde was zu tun hatte oder weit ausgehen mußte, stellte sie die älteste, welche Barbara hieß, über die andern; diese mußte auf sie sehen, ihnen was erzählen, auch wohl etwas vorlesen. Nun begab es sich einmal, daß ein hoher Festtag war (ich glaube, es war der Karfreitag), da ging die Bauerfrau mit ihrem Manne zur Kirche und sagte den Kindern, sie sollten hübsch artig sein; der Barbara aber und den nächst älteren gab sie ein paar Lieder auf aus dem Gesangbuche, die sie auswendig lernen sollten. So ging sie weg. Barbara und die andern Kinder waren anfangs auch recht artig; die älteren nahmen die Bücher und lasen, und die kleinsten saßen still auf dem Boden und spielten. Als sie so saßen, da erblickte das eine Kind etwas hinter dem Ofen und rief: "O seht! Seht! Was ist das für ein schöner und weißer Beutel!" Es war aber ein Beutel mit Nüssen und Aepfeln, den die Mutter des Morgens da hingehängt hatte und den sie des Nachmittags einem ihrer kleinen Paten bringen wollte. Die meisten Kinder sprangen nun alsbald auf und guckten danach, und auch Barbara, die älteste, stand auf und guckte mit. Und die Kinder flüsterten und sprachen dies und das über den schönen Beutel und was wohl darin sein möchte. Und es gelüstete sie so sehr, es zu wissen, und da riß eines den Beutel von dem Nagel, und Barbara öffnete die Schnur, womit er zugebunden war, und es fielen Aepfel und Nüsse heraus. Und als die Kinder die Aepfel und Nüsse auf dem Boden hinrollen sahen, vergaßen sie alles, und daß es Festtag war, und was die Mutter ihnen befohlen und aufgegeben hatte; sie setzten sich hin und schmausten Aepfel und knackten Nüsse und aßen alles rein auf. Als nun Vater und Mutter um den Mittag aus der Kirche zu Hause kamen, sah die Mutter die Nußschalen auf dem Boden liegen, und sie schaute nach dem Beutel und fand ihn nicht. Da erzürnte sie sich und ward böse zum ersten Male in ihrem Leben und schalt die Kinder sehr und rief: "Der Blitz! Ich wollte, daß ihr Mausemärten alle zu Mäusen würdet!" Der Schwur war aber eine große Sünde, besonders weil es ein so heiliger und hoher Festtag war; sonst hätte Gott es der Bäuerin wohl vergeben, weil sie doch so fromm und gottesfürchtig war. Kaum hatte die Frau das schlimme Wort aus ihrem Munde gehen lassen, so waren alle die sieben niedlichen Kinderchen weg, als hätte sie ein Wind weggeblasen, und sieben bunte Mäuse liefen in der Stube herum mit roten Köpfchen, wie die Röcke und Mützen der Kinder gewesen waren. Und Vater und Mutter erschraken so sehr, daß sie hätten zu Stein werden mögen. Da kam der Knecht herein und öffnete die Türe, und die sieben bunten Mäuse liefen alle zugleich hinaus und über die Flur auf den Hof hin; sie liefen aber sehr geschwind. Und als die Frau das sah, konnte sie sich nicht halten, denn es war ihr im Herzen, als wären die Mäuse ihre Kinder gewesen; und sie stürzte sich aus der Türe hinaus und mußte den Mäusen nachlaufen.
Die sieben bunten Mäuse aber liefen den Weg entlang aus dem Dorfe heraus, immer sporenstreichs; und so liefen sie über das Puddeminer Feld und das Günzer Feld und das Schoritzer Feld und durch die Krewe und die Dumsevitzer Koppel. Und die Mutter lief ihnen außer Atem nach und konnte weder schreien noch weinen und wußte nicht mehr, was sie tat. So liefen die Mäuse über das Dumsevitzer Feld hin und in einen kleinen Busch hinein, wo einige hohe Eichen standen und in der Mitte ein spiegelhellen Teich war. Und der Busch steht noch da mit seinen Eichen und heißt der Mäusewinkel. Und als sie in den Busch kamen und an den Teich im Busche, da standen sie alle sieben still und guckten sich um, und die Bauerfrau stand dicht bei ihnen. Es war aber, als wenn sie ihr Adje sagen wollten. Denn als sie die Frau so ein Weilchen angeguckt hatten, plump! und alle sieben sprangen zugleich ins Wasser und schwammen nicht, sondern gingen gleich unter in der Tiefe. Es war aber der helle Mittag, als dies geschah. Und die Mutter blieb stehen, wo sie stand, und rührte keine Hand und keinen Fuß mehr, sie war auch kein Mensch mehr. Sie ward stracks zu einem Stein, und der Stein liegt noch da, wo sie stand und die Mäuslein verschwinden sah; und das ist dieser große runde Stein, an welchem wir sitzen. Und nun höre mal, was nach diesem geschehen ist und noch alle Nacht geschieht! Glocke zwölf, wann alles schläft und still ist und die Geister rundwandeln, da kommen die sieben bunten Mäuse aus dem Wasser heraus und tanzen eine ganze ausgeschlagene Stunde, bis es eins schlägt, um den Stein herum. Und sie sagen, dann klingt der Stein, als wenn er sprechen könnte. Und das ist die einzige Zeit, wo die Kinder und die Mutter sich verstehen können und voneinander wissen; die übrige Zeit sind sie wie tot. Dann singen die Mäuse einen Gesang, den ich dir sagen will, und der bedeutet ihre Veränderung, oder daß sie wieder in Menschen verwandelt werden können. Und dies ist der Gesang:
Herut! herut!
Du junge Brut!
Din Brüdegam schall kamen;
Se hebben di
Doch gar to früh
Din junges Leben namen.
Sitt de recht up'n Steen,
Wat he Flesch un Been,
Und wi gan mit dem Kranze:
Säven Junggesell'n
Uns führen schäl'n
Juchhe! to'm Hochtidsdanze.
Und nun will ich dir sagen von dem Gesange, was er bedeutet. Die Mäuse tanzen nun wohl schon tausend Jahre und länger um den Stein, wann es die Mitternacht ist, und der Stein liegt ebensolange. Es geht aber die Sage, daß sie einmal wieder verwandelt werden sollen, und das kann durch Gottes Gnade nur auf folgende Weise geschehen: