Lauter ästhetische Fehler, die Sie ihnen vorwerfen. Keine moralischen, keine Charakterfehler.
Aesthetische Fehler verletzen mein Schönheitsgefühl.
Das Schönheitsgefühl darf nicht richten, nur die Wahrheit.
Sie mögen Recht haben. Ich werde darüber nachdenken – was Sie mir wahrscheinlich nicht zutrauen. Doch jetzt erzählen Sie mir von Ihren bürgerlichen Freunden. Wie kamen Sie überhaupt gerade nach München?
Meine Mutter war tot. Mein Vater war nach Paris versetzt worden, wohin er meinen ältern Bruder mitnahm. Ich hatte gegen Wien eine unüberwindliche Abneigung. Das Münchner Gymnasium, die Universität, wurden meinem Vater sehr gerühmt, und ich freute mich, etwas Neues kennen zu lernen.
Und wie kamen Sie in jene Familie?
Durch die Empfehlung des Fürsten Kinsky. Professor Richter ist längere Zeit bei ihm gewesen.
Richter, Richter? Wenn ich mich recht erinnere, habe ich einen Professor Richter in Bayreuth kennen gelernt. Im Jahre 82. Bei Wagners. Er war sehr bekannt, geachtet und etwas gefürchtet. Er soll sehr grob sein können.
Wenn man eine ganz ungewöhnliche Aufrichtigkeit dafür nehmen will – gewiß. Professor Richter ist eben kein moderner Mensch.
Um das zu verstehen müßten Sie mir erst erklären, was ein moderner Mensch ist ... und ich möchte jetzt von jener Familie hören. Die Frau?