Das thun Alle. Und das ist's, was mich oft so tief verletzt. Sie beneiden mich um mein Elend.
Elend? Ist das nicht ein zu schweres Wort?
Vom allgemeinen Standpunkt aus gewiß. Was fehlt mir denn? Ich kann mir mit Konfitüren den Magen und mit französischen Stöckeln die Gesundheit verderben. Aber leider ist die Dame auch ein Weib. Und das Weib sehnt sich nach Licht und Luft, die Brust verlangt nach einem freien kräftigen Atemzug, nicht gehindert durch das seidene Corset der Convention.
Und doch, gnädige Frau, habe ich gerade bei Ihnen die peinlichste Beobachtung der äußeren Form gesehen.
Gewiß, so lange sie eine Rücksicht, ja mehr, eine Höflichkeit gegen unsere Mitmenschen ist. Convention nenne ich die Schranke, die meiner geistigen Ausbildung von Jugend an gesetzt wurde. Was habe ich gelernt? Fast nichts. Ich bekomme jetzt oft ein Buch in die Hand, das ich lesen und verstehen möchte. Dazu fehlt mir eine gewisse Vorbildung. Ich möchte eine Treppe hinaufsteigen, in der so und so viele Stufen fehlen.
Sollte sich das nicht gut machen, nachholen lassen?
Mein Mann hat zu viel andere Dinge im Kopf, um sich für diese zu interessieren. Allein, das gestehe ich offen, ist es mir nicht möglich.
Und wenn ich mich erbieten wollte, Ihnen zu helfen?
Sie sind sehr liebenswürdig. Danke. Ich glaube, es ist zu spät. Von Ihrem Standpunkt aus sind all meine Versuche doch nur Kindereien. Ein so ernster Mann darf sich nicht mit dergleichen abgeben.
Darf nicht? Es ist des Mannes würdigste Beschäftigung, dem nach Wahrheit Strebenden zu helfen.