Haartrachten der Japanerinnen.

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Der Kimono wird um den Leib durch ein breites Band, den Obi, zusammengehalten, und auf dieses Band verwenden die Japanerinnen aller Stände die größte Sorgfalt. Der Obi ist ihr größter Stolz, ihr Reichtum. Der Reisende, welcher in den ersten Tagen seines Aufenthaltes in Japan auf der Straße oder im Eisenbahnwagen, in Theehäusern oder im Theater Japanerinnen sieht, wird von diesem Kleidungsstück nicht sonderlich erbaut sein, denn wie eine wattierte Leibbinde, stets von dunklerer Farbe als der Kimono, umgürtet der Obi den zarten Leib der Japanerin, um sich rückwärts zu einem Cul de Paris aufzubauschen, der mit einem großen Kopfkissen verzweifelte Aehnlichkeit hat. Wären die Obis weiche, schmale Schärpen, wie sie die Männer in Japan um ihren Kimono tragen, das Aussehen der Japanerin würde dadurch entschieden gewinnen. Der Obi ist ein drei bis vier Meter langes und etwa einen Meter breites, viereckiges Stück Stoff, aber stets von der schwersten Seide und so kostbar, wie ihn die Trägerin nur erschwingen kann. Es giebt Obis, welche Hunderte von Mark kosten, und gewöhnlich ist der Preis dieses Gürtelbandes höher als jener aller anderen Kleidungsstücke, welche die Japanerin trägt, zusammengenommen. Um den Obi anzulegen, ist immer die Hilfe einer zweiten Person erforderlich, und es scheint in der That eine wahre Kunst zu sein, den Obi zu knüpfen. Zunächst wird über die langen, faltenreichen Kleider eine Schärpe aus Krepp, der Hoso-Obi, gebunden, dann wird der Obi der Länge nach zu einer etwa fußbreiten Schärpe zusammengefaltet und mit der Faltung nach oben der Japanerin zwei- bis dreimal um den Leib gewunden. Die Enden werden rückwärts in kunstvoller Weise zu einer riesigen Masche gebunden, und diese zwölf bis fünfzehn Lagen des ungemein schweren, dicken Stoffes bilden eben das eigenartige Kissen, das die Japanerin unter ihrem Rücken trägt. Um seinerseits wieder den Obi zu halten, wird darüber ein elastisches dünnes Seidenband mit kleinen kunstvollen Goldschließen an den Enden, das Obi-dome, gebunden. In den Falten des Obi verbirgt die Japanerin eine ganze Menge kleiner Artikelchen, die sie stets bei sich zu tragen pflegt, und was im Obi nicht Platz findet, wird in die weiten, sackartig herabfallenden Aermel des Kimono gesteckt. Da sind zunächst die kleinen, weichen Papierchen, welche die Japanerin statt des Taschentuches zu benutzen pflegt; ferner Pfeife, Tabaksbeutel und Zündholzschachtel, denn die Töchter Japans sind eingefleischte Raucherinnen und ziehen alle Augenblicke die winzigen Pfeifchen mit den fingerhutgroßen Köpfen und bleistiftlangen Stielen hervor, um sich diesem Genuß hinzugeben. Dann kommen allerhand Toilettenartikel, Kamm, Nadeln, Puderbüchse, Schminkkästchen, Schwärzestifte für die Augenbrauen, ein kleines Spiegelchen und schließlich der unentbehrliche, allgegenwärtige kleine Papierfächer.

Haartracht einer Japanerin.

Noch häßlicher als der Obi erscheint dem Europäer die Fußbekleidung der Japanerin. Diese zarten, ätherischen, reizenden Geschöpfchen gehen ihr ganzes Leben lang auf schweren Holzschuhen einher. Schon in den ersten Jahren ihrer Kindheit werden ihre winzigen Füßchen in zolldicke Holzsandalen gesteckt, die durch Lederstreifen an den Füßen festgehalten werden, und ein anderes Schuhwerk bleibt ihnen bis zu ihrem Tode unbekannt. Die Japanerin trägt keine Strümpfe. Ihre Waden bleiben nackt, und gehen sie im warmen Sommer in den Straßen oder den schattenreichen städtischen Parks spazieren, dann legen sie wohl auch ihre Kimonos über den Arm und zeigen mit rührender Unverfrorenheit ihre Beine. Aber auch bei herabfallenden Kimonos öffnen sich diese Gewänder beim Gehen und enthüllen die Beine mehr oder weniger bei jedem Schritte. An Stelle der Strümpfe trägt die Japanerin ganz kurze, etwa bis über die Fußknöchel reichende Leinen- oder Seidensocken mit einer Abteilung für die große Zehe und fester Sohle aus dickem Baumwollstoff. In ihren Häusern, im Theater, in Tempeln und Theehäusern gehen die Japanerinnen nur in diesen Socken einher, und die Holzsandalen bleiben vor der Thüre stehen. Treten sie auf die Straße, so schlüpfen sie mit ihren Füßen wieder in die schweren Klötze und schleifen damit mühsam und mit gebeugten Knien, vornüber geneigt, einher. Stehend oder sitzend ist die junge Japanerin von unsagbarem Reiz, der aber sofort verschwindet, wenn sie auf der Straße einherschlürft.

Man geht in Europa fehl, wenn man glaubt, die Verordnung der japanischen Regierung hätte im Volke irgendwelche Wirkung gehabt und das alte Japan hätte seine bisherigen malerischen Trachten modernen Kleidern, Miedern, Federhüten und Stöckelschuhen geopfert. Ausschließlich bei Hofe werden diese Produkte der europäischen Modeknechtschaft getragen, und die in solcher Maskerade erscheinenden Damen mögen wohl als abschreckendes Beispiel für all ihre nicht hoffähigen Schwestern gedient haben, denn, der Vorsehung sei es gedankt, man begegnet in Japan, wohin man auch reisen mag, in Städten und Dörfern, bei hoch und niedrig, nur japanischen Toiletten. Statt dieselben durch europäische ersetzt zu sehen, müßte man eigentlich herzlich wünschen, daß der japanische Kimono, aber ohne Obi und Holzsandalen, im Abendlande Einführung fände.

Mädchentrachten; Rückenansicht.

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