Pagode in Wutschang.

Zu der englischen und französischen Konzession ist im Jahre 1895 nun auch eine deutsche gekommen, allerdings etwas spät, aber sie ist nun vorhanden, was in Anbetracht der großen Wichtigkeit Hankaus für den deutschen Handel die Hauptsache ist. Sie hätte schon vor mehr als drei Jahrzehnten erfolgen sollen, denn es war Preußen, welches sich in seinem 1861 mit China abgeschlossenen und 1863 ratifizierten Vertrage die Eröffnung Hankaus für den fremden Handel ausbedungen hat. Leider ist dieser handelspolitische Erfolg damals nicht weiter ausgebeutet worden. Die Engländer und nächst ihnen die Franzosen ließen sich bald nach der Oeffnung des Hafens von der chinesischen Regierung kleine Landstrecken längs der Ufer des Jangtsekiang in Hankau abtreten, und die sieben dort ansässigen deutschen Firmen sind seither bei den Engländern zu Gast. Nun hat Deutschland das Versäumte nachgeholt, und die deutsche Konzession im Herzen Chinas kann nur auf das freudigste begrüßt werden. Sie erstreckt sich auf etwas über einen Kilometer längs der Uferfront und hat den allerdings nicht sehr großen Umfang von etwa sechsundvierzig Hektar.

Was Shanghai für das ganze Jangtsekiangthal ist, das ist Hankau für den oberen Teil desselben und für die angrenzenden mittleren Provinzen, ja, eine beträchtliche Zahl von Seeschiffen berührt den Hafen von Shanghai, Wusung, kaum, sondern fährt direkt nach Hankau, klariert, nimmt Ladung und fährt wieder direkt nach Europa, hauptsächlich nach England und Odessa zurück. Große Kriegsschiffe erscheinen häufig vor Hankau. Der Jangtsekiang ist aber für größere Dampfer noch um sechshundertvierzig Kilometer weiter stromaufwärts bis nach Itschang schiffbar, und kleinere Dampfer können sogar bis nach Tschungking, das noch einmal soweit stromaufwärts liegt, vordringen.

1887 liefen in Itschang 24 englische und 31 chinesische Dampfer, von Hankau kommend, ein. 1896 war diese Zahl auf 46 englische und 43 chinesische gestiegen, und der Tonnengehalt erreichte 63000 Tonnen. Der Wert der Waren betrug, soweit er überhaupt bekannt wurde, etwa 50 Millionen Mark, dürfte aber in Wirklichkeit viel höher gewesen sein. Davon waren mehr als die Hälfte für Tschungking bestimmt. Indessen sind Tschungking sowohl wie Itschang ausschließlich nur Dependenzen von Hankau. Welchen Handelsverkehr die etwa hundert dort angesiedelten Europäer zu bewältigen haben, geht aus den großen, stets steigenden Ein- und Ausfuhrwerten hervor. 1887 beliefen sich die Einfuhrwerte zusammen auf 120 Millionen Mark, die Ausfuhrwerte auf 92 Millionen; im Jahre 1896 hatten die Einfuhrwerte den englischen Konsularberichten zufolge etwa 140 Millionen Mark, die Ausfuhrwerte über 70 Millionen Mark erreicht, zusammen also 210 Millionen Mark, während der Gesamtwert des Handels nach mir vorliegenden Privatnachrichten 300 Millionen Mark überstiegen haben dürfte. Diese Zahlen beweisen die Wichtigkeit Hankaus für den deutschen Handel und die Notwendigkeit, diesem Emporium des Jangtsekiang noch größere Aufmerksamkeit zuzuwenden als bisher. Die Einrichtung eines deutschen Settlements wird dazu wohl das Ihrige beitragen. An den deutschen Industriellen und Exporteuren liegt es, auch ihrerseits mehr Unternehmungsgeist zu zeigen und womöglich eigene erfahrene Leute zum Studium des chinesischen Inlandmarktes nach Hankau zu senden, wie es mehrere französische Handelskammern gethan haben. Die Regierung hat die Bresche geschaffen, den Weg geebnet; jetzt liegt es an den Interessenten selbst, das Weitere zu thun. Der Norddeutsche Lloyd unterhält einen zweiwöchentlichen Dampferverkehr mit Shanghai, und im Anschluss an diese Prachtdampfer laufen nunmehr auch deutsche Dampfer auf dem Jangtse.

Die wichtigsten Ausfuhren Hankaus sind in erster Linie Thee im Werte von nahezu 100 Millionen Mark. Ein deutscher Theehändler, Herr Theodor aus London, hat im Jahre 1894 allein für etwa 4 Millionen Mark Thee aufgekauft und nach Europa verschifft. Nächst Thee kommen Tabak, Seide, Medizinalwaren, Baumöl, Hanf, Häute, Wachs, Galläpfel und Reis. Die wichtigsten Einfuhren Hankaus sind:

Baumwollwaren (Schirtings und Baumwollgarne) im Werte von etwa 30 Mill. Mark
Wollwaren  im Werte von  4   „   „
Metallwaren „   „   „  3   „   „
Opium  „   „   „  7   „   „
Zucker  „   „   „  7   „   „
Petroleum „   „   „  5   „   „
Farbwaren „   „   „  1½   „   „
ferner Fensterglas, Nadeln, Schirme und dergleichen.