Der Confuciusbaum und das Thor der goldenen Stirne in Kiufu.

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Der Gipfel des Taischan.

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Auch Vater und Mutter des Confucius, sowie seinen Söhnen, Enkeln und Aposteln sind in diesem Parke eigene Tempel geweiht, umgeben von steinernen oder bronzenen Gedenktafeln verschiedener Kaiser. Das Grab des Religionsstifters befindet sich etwa zwei Kilometer außerhalb der Stadt. Eine Avenue, von tausendjährigen Baumriesen besetzt, führt hinaus zu dieser Stätte, wo, umgeben von etwa zwanzigtausend Gräbern seiner Nachkommen, der Heilige ruht. Ein Erdhügel von etwa zwölf Meter Höhe bedeckt seine sterbliche Hülle, und davor steht ein einfacher Grabstein mit seinem Namen. Auch seine nächsten Nachkommen sind hier begraben, und in jedem Jahre versammeln sich die heutigen Träger des Namens Confucius, oder vielmehr Kung-tse, wie er im Chinesischen heißt, um in einer eignen Opferhalle dem großen Toten zu opfern. Dasselbe geschieht auch in dem Confuciustempel der Vaterstadt Kiufu unter Verbrennung von Opfern, Zeremonientänzen und Mahlzeiten, bei denen dem Geiste des Verstorbenen von dem jetzigen Herzog Speisen und Getränke vorgesetzt werden. Wohl zwei Drittel der etwa 18000 Einwohner zählenden Stadt sind Nachkommen des Confucius und führen seinen Namen; die Begräbnisstätte außerhalb der Stadtmauer ist seit 2400 Jahren benutzt worden, und wie damals, so lassen sich auch heute noch alle Angehörigen des Stammes Confucius hier beerdigen, selbst wenn sie tausend Kilometer weit von Kiufu das Zeitliche gesegnet haben sollten. Wenn immer die Mittel vorhanden sind, werden ihre Leichen hierher transportiert.

Merkwürdigerweise ist Kiufu, dieses Jerusalem von China, kein Wallfahrtsort wie Taingan; nur selten kommen fromme Confucianer hierher, und noch weniger wird das etwa vierzig Kilometer weiter südlich gelegene Tsiuhsien besucht, die Geburtsstadt des größten Apostels der Confuciuslehre, Mencius. Ich fand Tsiuhsien noch ärmlicher und verfallener als Kiufu; bei meinem Einzug lief die ganze zerlumpte Bevölkerung hinter mir her, und es herrschte in der Stadt große Aufregung, so daß mir und meinen Begleitern von seiten des Mandarins nahegelegt wurde, möglichst bald weiterzureisen. Der Ahnentempel und die Grabstätte des Mencius ähneln jenen seines großen Lehrmeisters, nur sind sie kleiner, einfacher, und während die Tempel des Confucius vorzüglich erhalten sind, gehen jene des Mencius dem Verfall entgegen. Die direkten Nachkommen des Mung-tse, dies ist sein chinesischer Name, kümmern sich wenig darum. Die ganze Familie ist verlottert, und ihr Haupt verdient keineswegs die in der Familie erbliche Würde eines Mitglieds der berühmten Pekinger Hanlin-Akademie.

Von Tsiuhsien nahm ich den Weg in westlicher Richtung nach der Gelehrtenstadt Yentschoufu, dem Sitz des kommandierenden Generals von Schantung und einer der schönsten Städte der Provinz. Bischof Anzer, der Leiter der deutschen katholischen Mission von Südschantung, die in Tsining am Kaiserkanal ihren Hauptsitz hat, ließ hier eine Zweigmission einrichten. Wie in Tsining, in Tsautschoufu und anderen Orten, wo die Missionare ihre Thätigkeit entfalten, waren sie auch hier bis zum letzten Jahre unaufhörlichen Verfolgungen ausgesetzt, die bekanntlich in der Ermordung der beiden Missionare Nieß und Henle ihren Höhepunkt fanden. Wie das heilige Grab des Confucius, so besuchte ich auch von Tsining aus die Gräber der beiden Märtyrer, die vorläufig, bis hinreichend freiwillige Beiträge zur Errichtung würdiger Denkmäler einlaufen, auch nur Erdhügel nach chinesischer Art sind. Für die Deutschen besitzen diese Gräber ungleich höhere Wichtigkeit als jene der chinesischen Heiligen, denn die, welche unter diesen Erdhügeln ruhen, waren die direkte Ursache, daß Deutschland sich heute einen Hafen in China und, was mehr ist, den Handel einer großen Provinz gesichert hat, der mit der Zeit viele Millionen eintragen wird. Des bin ich heute, nachdem ich das ganze Gebiet durchwandert, gewiß.